Anwohner beschweren sich über Lärm an der A42
09.09.2009 | 13:12 Uhr 2009-09-09T13:12:00+0200
Herne. Bei offenem Fenster schlafen? Das haben sich die Nachbarn der A42 in Herne längst abgewöhnt. Daran hat auch eine neue Asphaltdecke nichts geändert. Mit ihrer Kritik stoßen die Anwohner nicht überall auf offene Ohren. Ein Hör-Selbstversuch.
Ein Balkon zwischen Börnig und Horsthausen, Voßnacken und Friedrich der Große. Morgens, die Sonne scheint, der Blick ruht auf einem üppigen Garten mit Teich. Drei Kohlmeisen sitzen im Fliederbusch, blinzeln keck herüber und zwitschern fröhlich. Ein Paradies – wenn nur dieses laute Dröhnen nicht wär'.
Keine 150 Meter ist sie entfernt, die A42. Eine Wand aus Bäumen und Sträuchern verdeckt die direkte Sicht, zwischen Ästen und Blättern blizen sie hervor: Autos, Motorräder, Lastwagen. Das Haus stand schon hier, bevor es den Emscherschnellweg gab, als Norbert Bähr mit seiner Frau hier einzog, gab es die Autobahn allerdings bereits. „Wir sind den Lärm gewohnt”, sagt Bähr, „allerdings hat er in den letzten 30 Jahren stark zugenommen. Immerhin fahren heute täglich 60.000 statt wie früher 10.000 Autos über die Bahn.” Bähr hat sich nie über den Lärm beschwert – bis Dezember 2008. Da war die Fahrbahndecke saniert worden, mangelhaft wie später herauskam. Der Lärm war „nicht mehr auszuhalten.” Bähr protestierte, fand Mitstreiter, sammelte 1000 Unterschriften.
Der Asphalt ist inzwischen nachgebessert
Inzwischen ist der Asphalt nachgebessert, der Geräuschpegel wieder auf „Ausgangsniveau”. Bei offenem Fenster schlafen? „Haben wir uns längst abgewöhnt.” Die Lärmschutzwand aus den Siebzigern ist hier auf der Nordseite der A42 (Richtung Duisburg), zwischen Börnig und Horsthausen, keine zwei Meter hoch und unvollständig. „Durch die bestehenden Lücken kommt der Lärm herüber, vor allem, wenn der Wind von Westen kommt”. Und der kommt oft von Westen, an der Pappel kann man es ablesen.
Derzeit werden auf der A 42, im Rahmen einer ersten Baumaßnahme, bestehende Lärmschutzwände instandgesetzt und erhöht.
Das betrifft die Teilstücke zwischen Baukau und Horsthausen in Richtung Dortmund (Südseite) und den Abschnitt vom Herner Kreuz bis zur Brücke Kaiserstraße in Richtung Duisburg (Nordseite). Die zweite Baumaßnahme sieht den Abriss der bestehenden sowie den anschließenden Neubau von Schallschutzwänden, inklusive des Schließens der noch bestehenden Lücken, vor. Das betrifft das Stück zwischen Kaiserstraße und Anschlussstelle Börnig, Richtung Duisburg (Nordseite). Während die erste Maßnahme in diesem Monat abgeschlossen werden soll, befindet sich die zweite noch im Vergabeverfahren.
Die Autobahnfahrt von Börnig nach Horsthausen ist leise, zwei Arbeiter ersetzen gerade Teilstücke der Lärmschutzwand in Höhe von Dachser. Bähr fährt 80 km/h, mehr ist nicht erlaubt. Er hat dafür gekämpft, dass das Tempolimit bleibt, solange die Schallwand nicht komplett erneuert ist. Das hat ihm und seinen Mitstreitern den Unmut vieler Autofahrer zugezogen. „Da geb' ich nix drum”, sagt Bähr.
A42-Abfahrt Horsthausen. Über die Nordstraße, über die Jobststraße. In der Bertastraße jault ein Laubbläser auf, entsetzlicher Lärm. Der Mann, der ihn bedient, trägt Ohrenschutz. Schon vorbei. Stille. Das tut gut. Dann Leibnizstraße, Bahnhofstraße – angekommen in Baukau. Die Autotür geht auf und schon ist es wieder da: das Dröhnen.
Kleines Haus, großer Garten und eine alte Lärmschutzwand
Ein paar Schritte und man steht auf dem Grundstück von Bilal Tezeren. Kleines Haus, großer Garten. Kinderschaukel und Rutsche – gleich dahinter: die alte Lärmschutzwand. Eine Terrasse trennt die Autobahn von Tezerens Schlafzimmer. Der Krach ist enorm. „Am Wochenende ist es am schlimmsten. Dann ist die Bahn frei und die ganzen Heizer sind unterwegs”, sagt Tezeren. Würde man die kleine Böschung neben dem Schuppen hochklettern, man stünde direkt auf der A42. Auch hier ist eine Lücke in der Wand, nur ein kleiner Wall und ein paar Bäume trennen die Wiese vom Asphalt. Rastplatz-Geräuschkulisse.
Zurück im Auto, im Hintergrund läuft das Radio. Die Musik ist ganz leise, aber sie nervt. Norbert Bähr erzählt von seiner Arbeit als Bergmann. 24 Jahre unter Tage, im Kohleabbau, „da war man ganz anderem Lärm ausgesetzt, aber eben zeitlich begrenzt”, sagt er. Die Knochen kaputt, die Lunge wundersamerweise die eines Försters, sagt sein Arzt. Kanalstraße. Die Südseite der A 42. Hier ist die Schallschutzwand schon saniert, grau statt grün und vier bis fünf Meter hoch. Ob es hier leiser ist? Keine Ahnung, vielleicht ein bisschen. Aber das Rauschen nervt trotzdem, Stress steigt auf. Schnell zurück ins Auto. Klack, und das Dröhnen im Kopf verschwindet. Das Radio bleibt bei mir heute lieber aus.
15:04
Tja, hier in Habinghorst wird jeden Tag gemäht, gesägt und rumgeschrien was das Zeug hält, geht mir auch mächtig auf die Nerven, damit muss man halt leben. Aber wenn ein paar Leute, die bewusst an der Autobahn leben, nicht mit dem Lärm umgehen können, wird gejammert und das stößt auf offene Ohren. Einfach nur lächerlich!
10:22
Tja, gegen sowas kann man klagen und kommt damit vor Gericht durch - gegen den von Kindergärten verursachten Lärm leider nicht. Ein dreifaches Hoch auf unser schönes Deutschland!
22:01
wohne an der neugemachten hauptstraße. jetzt ist die straßenbahn noch lauter als früher. dabei haben die uns doch verspriochen das alles besser wird. fordere also das die straßenbahn ab sofort nicht mhr fahren darf. werde nämlich ständig nachts wach von dem gerumpel. und wen ich nachtschicht habe und am tag schlafen will, geht das auch nicht. geht mächtig gewaltig an die nerven und werde krank von dem krach. aber für uns an der hauptstraße setzt sich ja keiner ein. da gibts keine großen berichte in der zeitung. find ich echt mist.
21:02
Was sagt denn unser neuer Verkehrsminister dazu?
19:28
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19:09
Mein Gott, diese Jammerlappen!
Lärm gibt es überall!
18:08
Ich habe etwa 20 Jahre so unfwfähr 50 bis 60 m von der A42 entfernt gewohnt, man gewöhnt sich an alles.
16:57
Wie lange gibt es die A42 und auch andere Autobahnen schon ?
Erst günstig dort Bauland kaufen, eben aufgrund der Autobahn, und dann später klagen.
Wem es nicht gefällt der sollte einfach dort weg ziehen !
16:14
Meine Güte,
hat die WAZ über nichts anderes als die A42 zu berichten? Es ist nun wieder so, wie wir Anwohner es früher gewohnt waren und wir freuen uns, dass bald die neuen Lärmschutzwände kommen. Darüber hat uns aber längst unsere Hausverwaltung informiert und wir konnten es auch lang und breit in der WAZ lesen. Da auch Herr Bähr dies weiss, frag ich mich, was dieser Jammer-Artikel soll.
Ich zahle meine WAZ-Gebühr nicht, damit eine Redakteurin Aufsätze üben darf, sondern um lokale Neuigkeiten zu erfahren, um zu wissen, was in unserer Stadt los ist.
13:27
Danke, „KeineAngstVorDerPolizei“
Polemischer kann man einen Artikel nicht verfassen. Die Gefangenen des Ruhrgebiet-Lärms, zwischen A 40, A 42 und A2 füllen das Sommerloch. Alle Autobahnen sollen doch zum Teufel gehen.
Also gut. Wir schließen die Autobahnen wieder und fahren über die Stadtstraßen von A nach B. Wie Anno Dunnemals. Ach, auch nicht richtig ? Nochmals in Reinschrift, für alle die es noch nicht wissen. Die Autobahnen, auch die A 42, sind gebaut worden, um den Durchgangs- und Transportverkehr von den Stadtstraßen zu holen. Um so die Konzentration von Lärm und Abgasen in den Wohnstraßen zu reduzieren.
Bedingt durch die modernen Fahrzeuge ist der Autobahnlärm in einem Auto kaum zu hören. Aber die Abgase, die hat der Autofahrer hier konzentriert zu ertragen, weil 5m hohe Schall-Wände ein schnelles Verwehen der Abgase verhindern. Will sagen: Ich warte auf den ersten Autofahrer, der eine Bürgerinitiative gegen die hohe Abgas-Konzentration auf der A42 bildet, mit der Forderung die Schallschutzwände zu demontieren um hier eine bessere Belüftung zu gewährleisten. Thema: Atemschutz.
Ach nein, kann er sich sparen. Für das Projekt „Ruhr 2010“ kommen diese Wände ja wieder weg. Damit der Durchreisende auf den Ruhrgebietsautobahnen freie Sicht auf unsere Kulturhauptstadt hat.