Anstrengend und zeitaufwändig
16.06.2008 | 16:35 Uhr 2008-06-16T16:35:02+0200Der Löschzug Röhlinghausen öffnete am Wochenende die Türen seines Gerätehauses an der Plutostraße und stellte den Besuchern die Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrleute vor
Henry sitzt staunend auf Opa Wilfrieds Schoß in einem großen, roten Feuerwehrwagen. Der Einjährige ist begeistert. "Henry, schau mal", ruft Oma und setzt sich einen gelben Feuerwehrhelm auf.
Die Besucher am Tag der offenen Tür beim Löschzug Röhlinghausen durften sich wie echte Feuerwehrleute fühlen. "Wir wollen der Bevölkerung unsere Arbeit zeigen und die Leute einbinden", erklärt Löschzugführer Friedrich Klüsener. Der 58-Jährige ist aus Leidenschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er sagt: "Man wächst da rein und findet Spaß daran". Beim Tag der offenen Tür wollen er und seine Kameraden die Menschen für die Feuerwehrarbeit begeistern und das Verständnis fördern. "Manche Menschen wissen gar nicht, dass es uns gibt", sagt Friedrich Klüsener. Dabei sei gerade die Freiwillige Feuerwehr die älteste Form der Brandschutzgruppen. Der Löschzug Röhlinghausen besteht seit mehr als 100 Jahren - gegründet wurde er im Jahr 1892. "Fast 90 Prozent des Brandschutzes wird auch heute noch durch die freiwillige Feuerwehr erledigt", sagt Klüsener. So haben beispielsweise kreisfreie Städte überhaupt keine Berufsfeuerwehr. Auch der Unterschied zwischen Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sei nur wenigen klar. In Herne arbeitet die Berufsfeuerwehr eng mit den Freiwilligen zusammen. Wer die Notrufnummer 112 wählt, wird mit der Feuerwehrleitstelle verbunden. Diese gehört zur Berufsfeuerwehr. "Die freiwillige Feuerwehr ergänzt die Berufsfeuerwehr", erklärt Klüsener. Ist die Berufsfeuerwehr gerade in einem Einsatz, kann diese den Grundschutz nicht sichern. Die Leiststelle sorgt dann dafür, dass die Freiwilligen Löschzüge ihre Feuerwehrwachen besetzen.
Die Arbeit der ehrenamtlichen Feuerwehrleute ist anstrengend und zeitaufwändig. Nicht umsonst sind sie Ehrenbeamte. "Ich bin jede zweite Woche in Bereitschaft", erklärt Friedrich Klüsener, "unsere Piepser haben wir immer dabei." Wenn sein kleiner tragbarer Automat piepst, meldet er sich bei der Wache. Tatsächliche Einsätze sind eher selten: Dieses Jahr sind die 24 Röhlinghauser Feuerwehrleute insgesamt vier Mal ausgerückt. Hinzu kommen mehrere Übungseinsätze im Monat und Kameradschaftstreffen.
Das alles schreckt Florian nicht ab. Der Zwölfjährige will später als Freiwilliger Feuerwehrmann Menschen helfen. Schon jetzt ist er bei der Jugendfeuerwehr aktiv. Am Tag der offenen Tür betreut er die Spritzwand. Daran können Möchtegern-Feuerwehrleute ihre Treffsicherheit mit dem Wasserschlauch testen. Je nach dem, wie viel Wasser tatsächlich auf den Brand trifft, zeigt die Wassersäule den Dienstgrad: "Feuerwehrmann", "Brandmeister" oder sogar "Hauptbrandmeister".
Klüsener wünscht sich für seinen Löschzug allerdings nicht nur Männer, sondern auch Frauen. "In anderen Löschzügen sind mehr Frauen aktiv, nur wir haben noch keine Damen", sagt Klüsener. Dabei sei diese Arbeit auch für Frauen eine Chance: "Natürlich gehört auch ein bisschen was Verrücktes dazu, aber es macht Spaß!"
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