Amüsante Berlinreise

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Mit einer unterhaltsamen Lesung aus seinem Erzählband „Die Berlinreise“ fesselte Hanns-Josef Ortheil am Donnerstagabend die zahlreich erschienenen Besucher in der Alten Druckerei.

Wie kommt man zum Schreiben, und noch dazu über Berlin? Diesen Prozess zeichnet Hanns-Peter Ortheil in seinem Buch „Die Berlinreise“ anschaulich nach. Und immer wieder höchst amüsant ist auch der humorvolle Vortrag des Autors. Seine Beobachtungen über das Berlin der 60er Jahre in West und Ost aus der Perspektive eines Zwölfjährigen entbehren nicht der Komik, das Publikum kann oft genug das Lachen nicht unterdrücken über diese urwüchsigen, doch immer sehr scharfsinnigen Kommentare.

Sein Vater hatte ihn schon frühzeitig aufgefordert, sich über alles, was er erlebte, kleine Notizzettel zu schreiben, und zwar „chinesisch“: Er sollte das Ereignis mit einer Pointe, also als etwas Besonderes darstellen. Nach fünf Jahren dieses Trainings, zum Zeitpunkt der Berlinreise, war der jugendliche Autor seiner eigenen Meinung nach schon auf einem „gediegenen Schreibniveau“.

Eingebunden in eine Rahmenerzählung zeichnen die „Notizzettel“ ein ungemein lebendiges und facettenreiches Bild des geteilten Berlin: Der Kurfürstendamm ist eine langweilige Bummelmeile, nichts für Jungs, und überhaupt haben die Berliner für alles viel mehr Zeit als die Kölner, denn schließlich können sie als Insulaner ja nicht weg, so das Fazit des jugendlichen Ortheil. Und Friedenau mit seinem Bistro ist ja eigentlich ein französisches Dorf. Gebremst und ohne Schwung und Lebenslust, wie ein riesiges Früher, das für seine Eltern aber immer noch existent ist, wirkt Ost-Berlin auf den aufgeweckten Betrachter.

Ein Spiegelbild zur „Berlinreise“ ist „Blauer Weg“, das witzig-ironische Eindrücke der sächsisch-schwäbischen Literaturtage aus der Zeit nach der „Wende“ enthält. Außerdem stellte Ortheil sein Buch über Rom und die Villa Massimo vor, ebenso Emile Zolas „Eine Reise nach Rom“.