Ambitionierte Band begibt sich musikalisch in astronautische Höhen

Im Rahmen der außergewöhnlichen Reihe „Ambitionierte Konzerte“ wurden wieder einmal Musiker auf die Bühne der Flottmann-Hallen gebracht, die Rockmusik und Jazz im weitesten Sinne „weiterdenken“: Das Trio „Klima Kalima“ rund um den finnischen Gitarristen Kalle Kalima wird bereits mit vier Alben international gefeiert.

Kalimas E-Gitarrensound verströmte bei Flottmann den Hauch eines Proberaums, seine Rock-Attitüde hat der Virtuose indes schon längst in Avantgarde-Jazz umgedeutet. Das hochkarätig besetzte Berliner Trio (Oliver Potratz spielte am Kontrabass und Oliver Bernd Steidle am Schlagzeug) spielte die oft rhythmisch diffizilen Kompositionen des Finnen, der sich in seinem neuesten Projekt dem finnischen Film ästhetisch annähert. „Finn Noir“, so der Titel des letzten Albums - ein Wortspiel mit dem Genre „film noir“.

Seine Betrachtung von Kaurismäki-Filmen wirkten indes nicht düster, der Gestus der improvisierten Musik schaute in seiner Musik vorbei, genau wie Rock und Elemente des finnischen Tango.

Während es draußen stürmte und donnerte, begab sich Kalima in den Flottmannhallen musikalisch in astronautische Höhen, betrachtete etwa die unfassbar lange Zeitspanne, in denen Kometen um die Erde kreisen. Das hierdurch inspirierte Post-Rock -Stück erklang wie eine Hymne auf die Auflösung der Zeitebene. Wunderbar.

Hauch von Nüchternheit

Über die rhythmischen Sollbruchstellen von Bass- und Schlagzeugspiel entwickelte Kalima seine Improvisationslinien mit elaboriertem, ganz besonders individuellen Stil: Sein E-Gitarrensound versprühte auch bei größtem Virtuosentum noch einen Hauch von Nüchternheit. Das Versprechen der Veranstalter, Kalima bringe die Gitarre in das 21. Jahrhundert, wurde an diesem Abend in Herne auf jeden Fall eingelöst.