Amateurtheater Fidele Horst gelingt umjubelte Premiere

Passen gar nicht zusammen: Claire (Tina Menze) und Tom (Tim Töpfer).
Passen gar nicht zusammen: Claire (Tina Menze) und Tom (Tim Töpfer).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die im Mondpalast neu inszenierte Komödie „Zeig mir deine Briefmarkensammlung“ widmet sich den Animositäten zweier New Yorker Singles.

Mit einem langen, herzerwärmenden Applaus bestätigten die Zuschauer der gerührten Mannschaft des Theaters Fidele Horst, dass sie auch in diesem Jahr ins Schwarze getroffen hatte. „Zeig mir deine Briefmarkensammlung“ von Mike Beens, schon einmal vor Jahren im Programm, feierte neu inszeniert am Freitag im Mondpalast Premiere: Standing Ovations für eine Komödie, die unter Olaf Weicherts Regie ihr Potenzial voll entfaltete.

Wir befinden uns im New York dieser Tage. Zwei Singles haben unabhängig voneinander bei einem betrügerischen Makler (windig mit Zopf und Goldkette: Dietmar Kraschewski) einen Mietvertrag für ein teures Apartment am Central Park unterschrieben. Jetzt sitzen die Modezeichnerin Claire und Werbefilmer Tom (Tina Menze und Tim Töpfer) widerwillig in der gleichen Wohnung, obwohl sie so gar nicht zusammen passen. Claire ist durch und durch korrekt und vor allem dem männlichen Geschlecht gegenüber prinzipiell misstrauisch, was Playboy Tom nervt und zu ständigem Spott reizt.

Mit Claires Freundin Christine und ihrer Mutter kommen zwei Frauentypen ins Spiel, die der Story einen frischen Kick geben. Claudia Terkowski, Typ Vollweib, hat als mannstolle, leicht überdrehte Freundin das Publikum gleich auf ihrer Seite. Wie sie wünscht sich auch Mrs. Blain, Claires Mutter, eine plappernde Klatschtante, nichts mehr, als dass es mit Claires Männerabstinenz ein Ende hat.

Tina Menze spielt die Claire überzeugend spröde am Anfang, lässt sie dann aber in den Scharmützeln mit Tom immer selbstbewusster werden. Ihr Auftritt im roten Glitzerkleid verschlägt nicht nur Tom die Sprache – auch durch das Publikum geht ein Raunen. Unterdessen entwickelt sich Tom vom arroganten Aufreißer zum Mann mit Gefühl.

Am Ende bekommt er sogar seinen Honig, nach dem er – Running Gag – das ganze Stück verlangt hat. Denn natürlich endet die Geschichte glücklich, wie es sich für eine Komödie gehört. Trotz des einen oder anderen Mann-Frau-Klischees – warum muss Toms Bekanntschaft Jane lispeln? Wer spricht heute noch von einem „absoluten Spitzenzahn“? – und einiger Plattitüden à la „Liebe ist kein Gefühl, Liebe ist ein Gebrauchsgegenstand“ garantiert das Stück beste Unterhaltung, von einem Amateurtheater mit Schwung dargeboten.