Alter Wartesaal im Herner Bahnhof soll sich für Kunst öffnen

„Infusion #7“: Ausstellungsaufbau im Alten Wartesaal des Herner Bahnhofs
„Infusion #7“: Ausstellungsaufbau im Alten Wartesaal des Herner Bahnhofs
Foto: WAZ FotoPool
Bisher zeigte nur Pottporus einmal im Jahr Street Art. Jetzt soll der Saal mit Städtebaumitteln für eine erweiterte Nutzung umgebaut werden.

Herne..  Der Charme des Verfalls ist es, der den Alten Wartesaal im Herner Bahnhof für die Kultur so anziehend macht. Kein spiegelglatter Boden, keine Hightech-Verkleidung, dafür bröckelnder Putz und abgetretene Steine. Schon lange haben Kulturschaffende in Herne ein Auge auf den Raum geworfen, der derzeit nur einmal im Jahr aufgeschlossen wird, im November, wenn Pottporus das Festival der urbanen Kultur ausruft. Nun nimmt sich die Stadt Herne des alten Wartesaals an: Sie will ihn mit Mitteln der Städtebauförderung im Rahmen des Stadtumbaus in Herne Mitte so herrichten, dass er auch außerhalb des Festivals für Ausstellungen und begleitende Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Herner Kulturpolitiker sind die ersten, die am Dienstag darüber abstimmen, im März entscheidet die Bezirksvertretung Herne-Mitte.

Keine Toiletten

Der Wunsch, den Wartesaal dauerhaft für Ausstellungen und nicht nur sporadisch für das Festival zu nutzen, wurde nach Angaben des Fachbereichs Kultur mehrfach mit der Deutschen Bahn erörtert, sei aber bislang an der Bereitschaft und den Kosten für die notwendigen Investitionen gescheitert. Nun biete das Stadtumbauprogramm Herne-Mitte die Chance, den Wartesaal zu einem Ausstellungs- und Veranstaltungsort für maximal 199 Personen umzubauen und mit moderner Ausstellungstechnik und -ausstattung zu versehen. Ansonsten soll nicht viel geschehen, der „morbide Charme“ des Raumes solle ausdrücklich erhalten bleiben, heißt es. Der Saal soll gereinigt, ausgebessert und durch eine Lüftungsanlage beheizt werden. Toiletten sind aus Kostengründen nicht vorgesehen - die Kulturverwaltung verweist auf die öffentliche Toilettenanlage auf dem Bahnhofsvorplatz. Von den veranschlagten 220 000 Euro hat die Stadt bei einer 20-Prozent-Beteiligung 45 000 Euro zu tragen.

Profitieren soll von dem Umbau vor allem die junge Kunst. So soll Pottporus die Gelegenheit bekommen, auch jenseits des Festivals Ausstellungen zu organisieren, drei bis vier Mal im Jahr. Dazu passend sieht das Nutzungskonzept der Stadt vor, die bisher alle zwei Jahre in den Flottmann-Hallen stattfindende Europäische Jugendkunstausstellung in den Bahnhof zu verlagern. Außerdem könnte eine Auswahl der beim Jugendkulturpreis „Herbert“ präsentierten Arbeiten für eine Weile dort gezeigt werden. Gedacht ist darüber hinaus an den Herner Künstlerbund, der seit langem über fehlende Ausstellungsräume klagt. Er könnte dort zwei bis vier Ausstellungen im Jahr, vor allem von Nachwuchskünstlern auf die Beine stellen. Rund um die Ausstellungen sind Vernissagen, Finissagen und Aktionen geplant.

Der Herner Bahnhof wurde 1847 zusammen mit der Köln-Mindener Eisenbahn eröffnet. Das heutige Bahnhofsgebäude wurde 1914 von den Preußischen Staatseisenbahnen gebaut.

Modernisiert wurde der Herner Bahnhof um 1970, die Kuppel der Empfangshalle wurde dabei hinter einer abgehängten Deckenkonstruktion versteckt, die Fenster wurden ausgebaut und die Fensteröffnungen zugemauert.

Im Zuge der Internationalen Bauausstellung Emscherpark kam es dann nach 1990 zu einer fachgerechten Restaurierung, die Kuppel wurde wieder geöffnet, die Fenster wieder eingebaut.

Der ehemalige Wartesaal 3. Klasse steht leer, er wird lediglich für besondere Veranstaltungen punktuell geöffnet.