Als "Stan" vorbeikam
07.12.2007 | 19:27 Uhr 2007-12-07T19:27:50+0100Über den legendären Rechtsaußen Reinhard Libuda wurde schon viel behauptet. Nun hat der Wanner Autor Norbert Kozicki eine Biografie über das Leben des Fußballers herausgebracht, die mit Gerüchten aufräumen will
Reinhard Libuda war bis zuletzt oft in Wanne. Dann saß er im "Sportlertreff", trank sein Bier und war froh, wenn er unerkannt blieb. "Der Stan", sagt Kneipeninhaber Werner Flachert, "wollte bloß nicht über Fußball reden." Flachert ist einer von vielen Zeitzeugen, die der Wanne-Eickeler Autor Norbert Kozicki über das Leben und die Karriere des legendären Rechtsaußen Reinhard Libuda interviewt hat. Nun ist die Biografie über den 26-fachen Nationalspieler im Hertener Verlag "Beluga New Media" erschienen.
Libudas Werdegang ist eng mit Wanne-Eickel verknüpft. Aufgewachsen ist er im Gelsenkirchener Stadtteil Haverkamp, einer Zechensiedlung, die zusammen mit dem Dannekamp einst Wohnort der Kumpel vom Bergwerk Unser Fritz war. "Er hat sich dort sauwohl gefühlt", sagt Kozicki.
66 Prozent der Zechen-Beschäftigten in den 40er und 50er Jahren kamen aus den Ostgebieten, recherchierte der 54-Jährige. "Der Haverkamp war also eine Idylle, weil jeder jeden kannte." Libuda kickte unter anderem in der Werksmannschaft der Zeche Unser Fritz. Der junge Reinhard, er war eine regelrechte Sportskanone. Neben dem Fußball boxte er, zusammen mit Kneipenwirt Werner Flachert im BC Unser Fritz. "Ich habe ihn 1955 kennen gelernt", sagt der heute 65-Jährige. Als sich im Boxclub herumgesprochen hatte, dass Libuda damals bereits ein ambitionierter Fußballer war, strengte sich Flachert im Sparring besonders an. Libuda war ein guter Boxer. Nachdem er den Verein dennoch verließ, sah Flachert ihn erst Jahre später wieder, als Gast in seinem "Sportlertreff" an der Hauptstraße. "Der Stan, das war einer von uns", sagt Flachert heute.
"Ein Kumpeltyp", meint auch Günter Varney. Dessen Eltern besaßen einst eine Bäckerei im Haverkamp, Varney und Libuda wuchsen zusammen auf. Über den Star von Schalke 04 und Borussia Dortmund kursieren elf Jahre nach seinem Tod viele Gerüchte. Scheu sei er gewesen, lebensuntüchtig und zum Schluss vereinsamt und verarmt. Glaubt man Kozickis aufwändig recherchierter Biografie, sind die meisten dieser Gerüchte unwahr. "Erfindungen der Boulevardpresse", so der Autor. Medien gegenüber war er oft verschlossen, privat jedoch durchaus ein Stimmungsmacher. "Er hat in der Bütt gestanden und Karnevalsreden gehalten, dass der Saal auf der Erde gelegen hat", erinnert sich Varney. Die Berichte aus seinem Privatleben seien zumindest übertrieben. Kozicki: "Er hat sich scheiden lassen, und möglicherweise hat er ab und zu etwas Alkohol getrunken. Aber das ist doch ganz normal für einen Kicker!"
Der Kultstatus des Reinhard "Stan" Libuda - sein Spitzname stammt vom englischen Fußballidol Stanley Matthews, dessen Finten er perfekt kopierte - ist ungebrochen. Der Libuda-Fanclub zählt 70 Mitglieder, und noch heute erinnern sich Fußballfans an seine wenigen, aber oft spektakulären Tore. Den Europapokalsieg des BVB 1966 sicherte er mit einem Treffer aus großer Entfernung (2:1 gegen Liverpool), beim 3:2 der DFB-Elf im entscheidenden WM-Quali-Spiel gegen Schottland 1970 schoss er das Siegtor. "Auch in 30 Jahren wird man sich noch an Stan erinnern", sagt Kozicki, dessen Tante Nachbarin von Libudas Eltern war. Sein Leben und sein Tod unter bis heute ungeklärten Umständen 1996 seien indes nicht so tragisch verlaufen wie oftmals behauptet. Kozicki: "Er ist nicht gescheitert. Er war nur ein Mann ohne Allüren."
13:10
Herr Kozicki hat das tragische Ende von Stan Libuda schlecht recherchiert oder er gibt nicht die ganze Wahrheit der Öffentlichkeit preis (ist vielleicht auch besser)