Alptraum im Aufzug für Rollstuhlfahrerin

Monika Bast-Sanober blieb im Aufzug im Postgebäude stecken.
Monika Bast-Sanober blieb im Aufzug im Postgebäude stecken.
Foto: Ralph Bodemer
Was wir bereits wissen
E-Scooter-Nutzerin Monika Bast-Sanober blieb im Lift der Post stecken.Erst nach gut 20 Minuten, kritisiert die 63-Jährige, sei sie befreit worden.

Herne..  Es war ein Alptraum. So zumindest hat Monika Bast-Sanober diesen Nachmittag erlebt. Sie war in der Post-Filiale an der Bebelstraße, hatte Briefe abgegeben. Weil zwischen dem Schalterbereich und der Eingangstür sieben Treppenstufen liegen, steuerte die Rollstuhlfahrerin ihr Gerät in den Aufzug – und blieb darin stecken. „Ich habe mich gefühlt wie im Sarg“, sagt Bast-Sanober. Tatsächlich ist sie merklich aufgelöst, als sie kurz später von dem Vorfall erzählt.

Die 63-Jährige geriet in Panik, bekam keine Luft mehr. „Ich weiß nicht, wie oft ich auf den Notrufknopf gedrückt habe.“ Etwa 20 Minuten, schätzt sie, habe es gedauert, bis man sie endlich aus dem zur Falle gewordenen Fahrstuhl befreit habe. Was sie besonders ärgert: Post-Mitarbeiter hätten ihr gegenüber eingeräumt, dass der Aufzug nicht zuverlässig funktioniere. Die Postbank, die die Filiale betreibt, war für eine Stellungnahme gegenüber der WAZ nicht zu erreichen.

Für Bast-Sanober ist nicht erst seit diesem Vorfall klar: Herne ist alles andere als behindertenfreundlich. Seit einem Autounfall vor vier Jahren ist die Baukauerin auf den Rollstuhl angewiesen, benutzt einen E-Scooter. Doch schon das ist ein Problem. Seit der Verband Deutscher Verkehrsunternehmer (VDV) vor einem knappen halben Jahr in einem Gutachten diesen E-Scootern ein hohes Unfallrisiko bescheinigt hat, nehmen HCR- und Bogestra-Busse Elektromobile nicht mehr mit. Für Menschen wie sie bedeute das eine weitere Einschränkung in ihrer Mobilität. Die Strecke von ihrem Zuhause an der Cranger Straße zur Post in der Innenstadt legte sie deshalb notgedrungen auf den eigenen vier Rädern zurück. Höchstgeschwindigkeit: sechs Stundenkilometer – weitere Wege dauern also.

Auch die Freundlichkeit mancher Mitmenschen lasse zu wünschen übrig. Im vergangenen Jahr habe eine Mitarbeiterin eines Geschäfts an der Bahnhofstraße sie aus dem Geschäft geworfen, weil sie im Gang steckengeblieben und vor ein Regal gestoßen sei (die WAZ berichtete). In Holland, das sie von vielen Urlaubsreisen kenne, sei so etwas undenkbar, die Niederländer hätten Barrierefreiheit verinnerlicht. Das Leben als Rollstuhlfahrerin in Deutschland, findet Bast-Sanober, sei dagegen beschwerlich. „Zum Glück habe ich einige tolle Freunde, die mir immer helfen.“