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Alltagskultur im Blick

11.11.2007 | 19:46 Uhr

Ein Nebeneinander aus Großem und Kleinem, Ernsthaftem und Schrillem, Professionellem und manchmal auch Laienhaftem: An diesem Konzept hält Holger Wennrich aus Überzeugung fest

KUNSTMESSE KUBOSHOW"Facing Reality" - so hieß nicht nur eins der ausgestellten Kunstwerke, es hätte auch das Motto der mittlerweile 12. Kunstbombe sein können. Denn das, was die inzwischen Kuboshow genannte Kunstmesse am vergangenen Wochenende in den Flottmann-Hallen zeigte, war oft ein Stück künstlerische Auseinandersetzung mit Alltagskultur.

Bei Ole Ukena waren das insgesamt 168 Alltagsgesichter: Fotos von alltäglichen Gegenständen wie einer Handtasche oder einer Hausansicht, die entsprechend in Szene gesetzt, Augen und Münder hatten. Auch Nemo Frischmuth, Kubo-Gewinner des letzten Jahres, bannte Alltags-Gegenständliches in seiner Kunst: Auf je etwa einem Quadratmeter Leinwand hielt er einen simplen "Eingangsbereich", einen "Großen Marktstand" oder eine Solariumskabine fest. Andreas Flügel ergänzte die Jeder-Tage-Impressionsreihe um Gemälde von einem "Wasserkasten" oder der Rückansicht einer Frau beim "Staubsaugen" unter dem Bett.

Wie schon fast traditionell bei der Kuboshow hielt auch diesmal die gegenständliche Malerei eindeutig das Zepter in der Hand. Wenngleich sich auch einige der ausgestellten Künstler mit den plastischen und dreidimensionalen Seiten des Alltags beschäftigten: So symbolisierten Melanie Nyhuis' neon-bunt gemalte Teebeutel an Butterbrotpapiertütchen ganze "25 Tassen heißes Wasser" und die Polyurethan-Gebilde (Kunstharze) auf Leinwand von Mercedes Hervás de Mora stellten Alltags-Helferlein wie "Löffel", "Streichhölzer" oder "Öltube" dar. Für die Extraportion schrille Zwischenrufe sorgten die mitunter monströsen, meterhohen Space-Schaumstoff-Figuren der Müncherin Ulla Reiter oder Roger Löcherbachs "Popnazis" mit Schäferhunden aus bemaltem Holz. Seriöse Konterpunkte lieferten etwa die Bronze-Granit-Skulpturen von Susanne Kraißer oder Nadja Krings erstklassig zart gestaltete Szenerien aus Aquatinta und Vernis Mou (einem speziellen Ätzverfahren).

Dem gelegentlichen Kuboshow-Besucher dürfte die Schau inzwischen wenig überraschen. Am Konzept Großes und Kleines, Ernsthaftes und Schrilles, Professionelles und manchmal auch Laienhaftes nebeneinander zu stellen, hielt Veranstalter Holger Wennrich aus Überzeugung fest: "Wir sind eben keine Mainstream-Schau. Wir versuchen nur aktuelle Strömungen in der Kunst abzubilden." Ein Unternehmen, das mitunter nicht ganz einfach sei, ergänzt der Stadtmarketing-Chef. Dem Kunstmarkttrend nach mehr Skulptur ist er trotzdem nachgekommen und hat diesmal "außergewöhnlich viele, vor allem preiswerte Skulpturen" ausgestellt - und verkauft.

"Sehr zufrieden" war Holger Wennrich übrigens mit seiner 12. Kuboshow. Die Zusammenstellung der Künstler, die Besucherzahlen (am Eröffnungstag 200, am Samstag 450 Gäste), die Verkäufe - alles nach seinem Geschmack. Auch wenn man beim Gang durch die Hallen eigentlich nur vereinzelt rote Verkauft-Punkte und insgesamt wenig wirklich Überraschendes gesehen hat. Ein echter Verkaufsschlager schienen übrigens die mit 15 mal 30 Zentimeter recht kleinen akribisch realistisch mit Acryl auf Leinwand gebannten Industriekultur-Impressionen von Alexander Calvelli zu sein. Seine Zechenbilder von Constantin, Pluto und Hardenberg waren schon am Samstag alle verkauft. Die Kuboshow ist eben doch eine Revier-Messe.

Von Susanne Meimberg

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