Das aktuelle Wetter Herne 15°C
Nachrichten aus Herne und Wanne-Eickel

Akustik-Trick aus der Antike

27.02.2008 | 19:33 Uhr

Schalltöpfe sollten in Santa Walburga für besseren Klang sorgen. 136 Gefäße aus Pingsdorfer Keramik überdauerten nahezu unbeschädigt 1000 Jahre und sind im Archäologie-Museum zu sehen

WAZ-SERIE HERNER SCHÄTZEDer Klang des Gregorianischen Gesangs durchwebt den Mittelalterbereich des Archäologie-Museums. Wer ihm folgt, gelangt zu einem schmalen, einfachen, rechteckigen Raum mit niedrigen Wandbänken an den Längsseiten, der einen Eindruck von der Schlichtheit der Kirchen des frühen Mittelalters gibt.

Der Blick fällt auf den angedeuteten Altarraum, im Vordergrund ein Messkelch, im Hintergrund an der Rückwand ein kleines Kreuz. Doch das Bemerkenswerteste sind die in einer schnurgeraden Reihe in den Boden eingelassenen, mit quadratischen Glasscheiben abgedeckten Tontöpfe und die vielen Tontopfreihen an der linken Wand. Die Öffnungen zeigen nach oben beziehungsweise nach vorne. Wurden sie als Urnen genutzt? Oder zur Aufbewahrung von Getreide oder Talg?

Dr. Susanne Jülich, stellvertretende Leiterin des Archäologie-Museums, schmunzelt: "Ganz kalt", sagt sie zu dem laienhaften Rätselraten. "Das sind die Mescheder Schalltöpfe aus Pingsdorfer Keramik." Aha, na klar, ist doch ganz eindeutig.

Ist es auch, wenn man's weiß. "Pingsdorfer Keramik kennt jeder Archäologe", erklärt Susanne Jülich. "Sie begleitet einen durchs ganze Studium." Im Rheinland gab es im Mittelalter große Produktionszentren, die qualitativ hochwertige und sehr schöne Tonkeramiken herstellten. Ganz typisch: Die Verzierungen, die wie mit einem dicken Pinsel aufgetragen wirken. Das Geschirr wurde in weite Teile von Mittel- und Nordeuropa verkauft - ein früher Exportschlager, der vor allem im Haushalt begüterter Leute zu finden war.

Die Mescheder Schalltöpfe hatten jedoch eine ganz andere Funktion. Sie sollten den Klang in Santa Walburga, der Kirche eines ehemaligen Damenstiftes, verbessern. Santa Walburga wurde im letzten Viertel des neunten Jahrhunderts erbaut und war zu ihrer Zeit eine der bedeutendsten und größten Kirchen in Westfalen.

Den Trick, durch das Aufstellen von Schalen den Raumklang zu verbessern, kannte man schon in der Antike; der Römer Vitruv empfahl ihn für Theater. Doch leider hat man in Santa Walburga den akustischen Kunstgriff, der natürlich nur wirken kann, wenn die Schalen offen zum Raum stehen, gleich wieder zunichte gemacht: Indem die Bodenschalen sorgfältig mit Platten und Estrich abgedeckt wurden. Nur in den Wänden standen sie wohl offen: Im westlichen Joch des Mittelschiffs sind bis heute etliche dieser Schalltöpfe eingemauert. Insgesamt fanden die Archäologen 136 dieser "Klangschalen", die meisten vollständig erhalten.

Von Gabriele Heimeier


Kommentare
Aus dem Ressort
Bettenhausen gab der Zeche Unser Fritz ein zweites Leben
Kunst
Vor 50 Jahren mietete Helmut Bettenhausen einen Raum für sein erstes Atelier auf der Zeche Unser Fritz; er erwies sich damit als Wegbereiter der Industriekultur. Aus seinem Lebensumfeld schöpfte er mit unbändiger Kreativität seitdem Ideen für sein vielseitiges Werk. Die Stadt Herne widmet ihm nun...
„Die Stadtwerke müssen sich weiterhin stark verändern“
Interview
Ulrich Koch, Vorstand der Herner Stadtwerke, sieht keine Zukunft mehr für das Geschäftsmodell des reinen Verkaufs von Energie. Das sagte er im Interview mit der WAZ-Redaktion. Vielmehr würden dezentrale Energieerzeugungsanlagen zum zentralen Zukunftsthema.
Stadt Herne zieht beim Kirmesumzug die Lärmbremse
Cranger Kirmes
Wegen zahlreicher Beschwerden will die Stadt Herne die Dauerbeschallung beim Cranger Kirmesumzug in diesem Jahr erstmals begrenzen: Drei Meter vor den Lautsprechern soll der Pegel 90 dB nicht mehr überschreiten. Dies gilt vor allem während der Aufstellphase.
Herner Jugendkulturpreis Herbert geht in die dritte Runde
Jugendkultur
Das coole grüne Wesen mit den Tattoos ist wieder da. Herbert heißt es, so wie der Wettbewerb für kreative Jugendliche in oder aus Herne, die zum dritten Mal aufgerufen sind, sich um den Herner Jugendkulturpreis zu bewerben. Attraktive Preise sind ausgelobt.
Herner Arbeiter-Samariter-Bund bietet ambulante Intensivpflege
Pflege
Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) hat mit einem neuen ambulanten Dienst die Arbeit im Bereich der ambulanten Intensivpflege in Herne aufgenommen. Dabei nutzt der ASB seine langjährige Erfahrung aus dem Sonderpflegebereich für außerklinische Beatmung.
Fotos und Videos
Gestohlener Schmuck
Bildgalerie
Diebesgut
Monstertrucks in Herne begeistern
Bildgalerie
Extremsport
Die vertagte Nacht
Bildgalerie
Volkstheater