Acht Jahre Haft für Schuss auf einen Polizisten gefordert

Was wir bereits wissen
Im Prozess um den Schuss auf einen Polizisten wurden die Plädoyers gesprochen. Der Staatsanwalt forderte acht Jahre Haft wegen versuchten Totschlags.

Bochum/Herne.. Im Prozess um den nächtlichen Schuss auf einen Polizisten hat die Staatsanwaltschaft gestern acht Jahre Haft beantragt. Das Urteil soll heute gesprochen werden.

Staatsanwalt Dietrich Streßig sprach vor dem Bochumer Schwurgericht von einer bewussten Schussabgabe: „Der Angeklagte richtete sein Handgelenk durch eine bewusste Drehung nach oben und gab im vollen Bewusstsein einen Schuss ab.“ Die Tat sei deshalb eindeutig als versuchter Totschlag einzustufen.

„Er hat den Tod des Beamten in Kauf genommen“, sagte Streßig. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass der Beamte „nur“ in den Oberschenkel getroffen geworden sei. „Der Schuss hätte auch in den Bauch, den Genitalbereich oder in die Brust gehen können.“ Von einer versehentlichen Schussabgabe könne keine Rede sein. Eine derartige Behauptung käme einer „Reise nach Absurdistan“ gleich. Alternative Szenarien seien zwar denkbar, aber nicht realistisch. Streßig: „Man könnte sich auch ein Unterhemd mit einer Kneifzange anziehen - aber wer tut das? Ich nicht.“ Allein der Abzugswiderstand der Waffe spreche gegen eine ungewollte Schussabgabe.

Wie berichtet, war der Angeklagte in der Nacht auf den 15. Juni 2014 von drei Polizisten verfolgt worden. Der 47-Jährige war damals mit dem Fahrrad durch Röhlinghausen gefahren. In einem Schulterholster steckte eine Pistole, am Unterschenkel war ein Rambo-Messer befestigt. Als er zu Boden gerissen wurde, kam es zum Kampf. Die Beamten setzten einen Schlagstock ein, um den rechten Arm unter dem Körper des Angeklagten hervorzuhebeln. Dabei fiel der Schuss.

Wie sich später herausstellte, hatte einer der Polizisten einen Durchschuss des Oberschenkels erlitten. Es bestand potenzielle Lebensgefahr. Der Beamte kann seitdem keinen Streifendienst mehr machen. Ein derartiger Angriff auf einen Polizisten müsse laut Staatsanwalt schon aus generalpräventiven Gründen eine harte Sanktion nach sich ziehen. Polizeibeamte hätten sich bewusst dazu entschlossen, der Bevölkerung durch ihre Arbeit ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln. „Deshalb müssen sie auch von Gerichten geschützt werden“, so der Ankläger.

Die Verteidiger halten eine ungewollte Schussabgabe aufgrund starker Schmerzen dagegen nicht für ausgeschlossen. Diese These war von einem Arzt gestützt worden, bei dem der Angeklagte wegen einer schweren Schulterverletzung in Behandlung war.