Ab 1864 entstand Kolonie für Bergleute der Zeche Hannover

Ein Blick in die Straße Sassenburg der Kolonie Hannover in Eickel.
Ein Blick in die Straße Sassenburg der Kolonie Hannover in Eickel.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Siedlung, die häufig ihr Gesicht veränderte: Ab 1864 enstand in Eickel eine Kolonie für Bergleute der Zeche Hannover.

Herne..  Die Historie der Eickeler Kolonie der Zeche Hannover.

Zahlen und Fakten.

1864 begann der Bau der Kolonie der kurz hinter der Bochumer Stadtgrenze gelegenen Zeche Hannover I/II in Eickel. Die ersten neun eineinhalbgeschossigen Doppelhäuser für Bergleute sowie sechs Beamtenwohnhäuser seien damals in der „Alten Colonie“ gebaut worden, erklärt der Wanne-Eickeler Heimatforscher Heinrich Lührig. Die Gebäude seien Mitte der 1870er-Jahre abgebrochen und durch Einfamilienhäuser ersetzt worden. Nur die Häusergruppe im hinteren Bereich der Straße Alte Kolonie sei erhalten geblieben, nach der Privatisierung aber stark verändert worden.

1926 endete der Bau der nordöstlich von Zeche Hannover und zwischen der (heutigen) Hordeler Straße und der Magdeburger Straße gelegenen Siedlung.

206 Arbeiterhäuser seien insgesamt in der Eickeler Siedlung gebaut worden, so Lührig. 190 Häuser sind nach Angaben der Stadt in den 80er- und 90er-Jahren in die Denkmalliste eingetragen worden. Die Kolonie gehöre zu den bedeutendsten Siedlungen im Ruhrgebiet und dokumentiere „in hervorragender Weise“ die Entwicklung des „Kruppschen Typen-Systems“ im Arbeiterwohnungsbau, begründet die Verwaltung den Eintrag. Krupp? Krupp! Denn:

1872 hat nämlich Alfred Krupp die Zeche Hannover gekauft. Endgültig stillgelegt wurde die mit Constantin, Hannibal, Königsgrube und Mont-Cenis zum Bergwerk Bochum fusionierte Anlage mehr als 100 Jahre später, genau: 1973.

23 unterschiedliche Bauweisen gibt es – zumindest gefühlt – in der Hannover-Siedlung in Eickel. Geschuldet sei dies vor allem den zahlreichen Bauabschnitten, die unter Federführung des Kruppschen Architekten Robert Schmohl durchgeführt worden seien, so Wanne-Eickel-Experte Heinrich Lührig. Wurden bis 1893 vor allem schlichte Doppel- und Reihenhäuser gebaut, so entstand später unter anderem eine an die Gartenstadtbewegung angelehnte Wohnform: „ein nach allen Himmelsrichtungen orientierter Haustyp mit vier Wohneinheiten, der frei auf dem Grundstück steht, so dass allen Wohnungen Hausgärten zugeordnet werden konnten“, so die Stadt. Für den wilden Architekturmix sorgte aber auch der Zweite Weltkrieg: 100 der 369 Wohnungen seien im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört worden, berichtet der Bochumer Geowissenschaftler Klaus Pirke in seiner Doktorarbeit. In den 50er- und 60er-Jahren entstanden zahlreiche Neubauten. Lediglich einige wenige Häuser der seit den 50er-Jahren entstandenen Neubauten seien im zeittypischen Stil neu errichtet worden – überwiegend an der Bonifatiusstraße, so Klaus Pirke.

66, konkret: Reichsstraße 66. Hier errichtete Krupp im Jahre 1905 zunächst eine Zweigstelle der sogenannten Konsumanstalt für Bergleute in Bochum-Hordel. Fleisch, Textilien und Haushaltswaren gab es hier unter anderem zu kaufen. Schon kurze Zeit nach der Eröffnung sei das Haus jedoch in eine evangelische Kleinkinderschule umgebaut worden, berichtet Heinrich Lührig. Im Krieg sei das Gebäude auch mal als Lazarett genutzt worden, doch bis 1963 habe es dann vor allem als „Zechenkindergarten“ gedient. Und heute? Wird in dem Haus unter anderem noch immer Wissen vermittelt: Seit 1990 bietet der Treffpunkt Eickel hier eine Reihe von Kursen, Seminaren, Veranstaltungen und Ausstellungen an.

1906 wurde an der Bonifatiusstraße 10 zusätzlich eine katholische Kleinkinderschule errichtet. Dieses Gebäude wird heute als Wohnhaus genutzt.

1 Eigentümer gibt es schon seit Jahren nicht mehr: Hellweg Liegenschaften, eine Immobiliengesellschaft von Thyssen-Krupp, hat die Siedlung in den 70er-Jahren von der Friedrich Krupp Hüttenwerke AG übernommen und anschließend komplett privatisiert.

600 Menschen leben heute in der reinen Wohnsiedlung Hannover.