60-Jähriger blickt in seiner ersten Lesung in Vergangenheit

Peter Zontkowski in der alten Durckerei.
Peter Zontkowski in der alten Durckerei.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Peter Zontkowski beschreibt den Alltag im Stahlwerk erstaunlich präzise. Der Autor las in der Alten Druckerei aus seinem ersten Werk.

Herne..  Es war Peter Zontkowskis Premiere in der Alten Druckerei, und überdies hat der Autor noch nie eine Lesung allein bestritten. „Läuft gut, nicht?“ vergewisserte er sich in der Pause bei seinen zahlreichen Freunden im Publikum. Ja, es lief gut.

Der 60-Jährige blättert zurück in die Vergangenheit des Ruhrgebiets, das vor Jahrzehnten noch von einer guten Zukunft träumte. Zontkowski stand als Lehrling an der Werkbank im Wittener Edelstahlwerk und träumte mit: „Ein paar Jahre lang dachten wir, es würde etwas Großes auf uns warten und zählten die Sterne über dem Ruhrgebiet.“ Bekanntlich kam alles anders, für das Revier wie wohl auch für Zontkowski, dessen späteres Arbeitsleben alles andere als gradlinig verlief.

Die frühe Phase als Industriearbeiter hat den 60-Jährigen wie viele seiner Generation im Ruhrgebiet geprägt, und seine Texte leisten in klarer Sprache ein Stück Erinnerungsarbeit. Er beschreibt den Alltag im Stahlwerk anschaulich und präzise, seine Erzählhaltung ist bestimmt von freundlicher Distanz. Pathos ist ihm fremd, nur selten spricht eine leise Trauer aus den Zeilen, öfter hingegen trockener Humor. Fast unvermeidlich wird Zontkowskis Arbeit in die Tradition der Literatur der Arbeitswelt eingeordnet; im Vorjahr erhielt ein Prosastück den „Sonderpreis zur Geschichte und Gegenwart der Arbeits- und Industriekultur.“ Die Einordnung ist nicht falsch, verkürzt aber die Perspektive. Denn der genaue Beobachter Zontkowski kennt auch den Alltag nach und neben der Arbeit, der voller Merkwürdigkeiten und Komik steckt. Dort lebt der einäugige Rentner, der in seiner Augenhöhle nach Metallsplittern gräbt, und die 86-jährige Mutter, die so gern die Beatles hört und Zigarettenrauch schnuppert.

Vor kurzem angefangen

Am Ende hatte Zontkowski, der auch Sendungen für den Bürgerfunk produziert und erst vor kurzem angefangen hat zu schreiben, alles erzählt, was er bisher zu Papier gebracht hat. Der 60-Jährige ist Mitglied der VHS-Schreibwerkstatt. Die Gruppe ist am Freitag, 23. Januar, ab 19 Uhr mit einer Lesung zu Gast im Beginenhof Bochum, Kornharpener Straße 176.