3000 Menschen fanden in der Siedlung Elpes Hof ein Zuhause

Die Siedlung Elpeshof aus der Luft - rechts der Sportplatz, in der Mitte der Turm der Barbarakirche.
Die Siedlung Elpeshof aus der Luft - rechts der Sportplatz, in der Mitte der Turm der Barbarakirche.
Foto: Stadtarchiv Herne
Was wir bereits wissen
Die zecheneigene Wohnungsbaugesellschaft „Glückauf“ schuf Ende der 50er-Jahre Wohnraum mit viel Grün für die Bergarbeiterfamilien

Herne..  Die Euphorie war groß, als sich in Elpeshof 1960 die Bauarbeiten ihrem Ende näherten. Fünf Jahre hatte es gedauert, bis die Siedlung der zecheneigenen Wohnungsbaugesellschaft „Glückauf“ so weit gediehen war, dass hier 3000 Menschen ein Zuhause fanden.

829 Wohnungen waren entstanden. Die alte Piepenfritz-Siedlung eingerechnet, lebten nun 5000 Personen in der „Blumensiedlung“, wie die Ruhr-Nachrichten jubelnd im August 1960 den Stadtteil nannten, der rund um einen alten Bauernhof gewachsen war (siehe Text unten).

Was vorher war

Wer zehn Jahre zuvor die Von-Waldthausen-Straße entlang ging, zur Zeche Friedrich der Große 3/4, sah rechts und links lediglich Felder und Wiesen. Eine friedliche Landschaft vor der Silhouette der Schachtanlage. Einige Häuserreihen säumten bereits die Schachtstraße, Ernststraße und Heckerstraße. Doch rund um den Bauernhof des Landwirts Elpe: flaches Land. „Weithin geht von ihm nach Osten und nach Norden der Blick über saftige Wiesen, auf denen Kühe grasen und über Felder, auf denen der Juniwind die junge Saat in dunkelgrünen und hellgrünen Wogen aufleuchten lässt“, schrieben die Herner Stadtnachrichten noch im Juni 1955. Dann rückten die Bagger an.

Was entstehen sollte

Im ersten Bauabschnitt sollten die Lücken zwischen Schacht-, Hecker-, Ernst- und der neuen Langforthstraße geschlossen werden. 250 Wohnungen sollten entstehen, vornehmlich in zweigeschossigen Häusern. Bis 1956 war das geschehen. Weitere vier Bauabschnitte waren geplant mit je 100 Wohnungen. „Die Anordnung der einzelnen Baumassen wird so erfolgen, dass keine Riesensiedlung entsteht, kein unübersehbares Häusermeer oder Häuserreihen, die sich gleichförmig aneinander reihen. Die Gesamtanlage wird eine absolute Durchgrünung erfahren“, hieß es 1955 in den Stadtnachrichten. Die Reihenhäuser waren so angeordnet, dass ihre breite Seite ins Grüne zeigte. „Damit wird erreicht werden, dass schon ein Spaziergang durch diese neue Siedlung zu einer Erholung werden kann“, zeigte sich der Berichterstatter optimistisch. „Der Maßstab ist der Mensch, der sich in diesen nicht kleinen Wohnungen und in dieser neuen Umgebung wie zu Hause fühlen soll und auch kann.“ Was am Ende der Schachtanlage Friedrich der Große den Belegschaftsstamm sichern sollte.

Was daraus wurde

Die jahrelangen Arbeiten hatten Früchte getragen. „Eine Siedlung, in der es sich lohnt zu wohnen“, urteilten die Ruhr-Nachrichten in ihrem Porträt. „Eine Siedlung, in der es immer hell ist, in der sich Scharen von Kindern auf Spielplätzen und in Gärten tummeln, die in der Bauweise ihrer Häuser vorbildlich sein dürfte.“ Kinderlose waren die Ausnahme. Die Durchschnittsfamilie in Elpeshof hatte drei bis vier Kinder. Sie wohnte in einer Umgebung, die der Reporter so beschrieb: „freundliche Zimmer, moderne Küchen, lichtdurchflutete Höfe, die schon mehr Parkanlagen gleichen, Balkons mit farbenprächtigen Blumenreihen und ein Stück Garten.“ Nur Pantringshof könne in punkto Blumenpracht mit Elpes Hof konkurrieren. „Es gibt einfach keinen Garten, der verwildert wäre, kein Stück Rasen, der nicht sorgfältig gepflegt wäre, keinen Balkon, der keinen Blumenschmuck aufzuweisen hätte.“ Geschäfte siedelten sich an und ein Wochenmarkt wurde eingerichtet. Mit der Siedlung wurde an der Langforthstraße ein neues Schulgebäude gebaut, das 1957 schon von zehn auf 14 Klassenräume aufgestockt werden musste. Auch eine evangelische Kirche entstand in der neuen Mitte von Elpeshof. Sogar einen eigenen Polizeiposten erhielt der Ortsteil 1960: Hauptwachtmeister Küter sah auf dem Fahrrad nach dem Rechten.

So kam die Siedlung zu ihrem Namen

Die Siedlung Elpeshof ist nach dem Landwirt Elpe benannt, der zur Zeit der Siedlungsgründung den alten Horsthauser Bauernhof bewirtschaftete. Er lag auf einer Anhöhe östlich der Horsthauser Straße zwischen den heutigen Straßen „Jürgens Hof“ und der „Von-Waldthausen-Straße“ und gehörte bereits der Gewerkschaft Friedrich der Große, die ihn verpachtete und am Ende abreißen ließ.

Als Sudkamps Hof fand das Gehöft im 13. Jahrhundert erstmals Erwähnung. Von ihm stammt die Familie Heinrich Sudkamps, dessen Tochter Agetrud Löber den Autoren des heimatgeschichtlichen Buches „Unser Horsthausens“ einiges über die Geschichte zu erklären wusste, bevor sie 1995 verstarb. Ihr Urgroßvater Johann Heinrich Sudkamp hatte als zweiter Sohn auf den Nachbarhof Punge eingeheiratet, wo ihr Großvater Georg Heinrich Sudkamp später die Landwirtschaft übernahm. Dessen einziger Sohn Heinrich Sudkamp, Agetrud Löbers Vater also, ging andere Wege: Er studierte Jura, wurde Stadtrat in Herne und zweiter Bürgermeister. Auf dem Sudkamps Hof hatte unterdessen eine der Erbinnen den Bauern Dietrich Jürgens aus Bochum-Gerthe geheiratet, was den Hof zu „Jürgens Hof“ machte. Jürgens war von 1887 bis 1905 Gemeindevorsteher in Horsthausen. 1907 wurde der Hof verkauft. Nach Meinung einiger Heimatfreunde müsste die Siedlung deshalb also eher Jürgens Hof oder Sudkamps Hof heißen.