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Künstlerzeche Unser Fritz

1000 Fische, acht Zentner Kartoffeln

23.02.2012 | 16:12 Uhr
1000 Fische, acht Zentner Kartoffeln

Wanne-Eickel.   Der Förderverein der Künstlerzeche Unser Fritz lud am Aschermittwoch zum traditionellen Heringsessen. Die WAZ schaute vorbei.

Hunderte Fahrzeuge, Reifen an Reifen, stehen auf dem Platz vor der Künstlerzeche Unser Fritz. Läuft man am Gebäude vorbei, fallen einem sofort die hohen Fenster auf, ins Innere schauen kann man nicht, denn sie sind bis zu den Rahmen beschlagen. Öffnet man die Eingangstür, schlägt einem ein Gewirr so vieler Stimmen entgegen, dass es sich anhört, als würde ein Hornissenschwarm in der großen Halle wüten. Hin und wieder ist ein Lachen, ein Gesprächsfetzen heraus zu hören.

„Heute sind etwa 600 Menschen hier“, sagt Jens Blome, Vorsitzender des Künstlerzeche-Fördervereins. Sie alle drängen sich an die Bierzeltgarnituren und auf den Emporen. Sie alle essen Hering mit Pellkartoffeln. Seinen Anfang nahm alles mit Helmut Bettenhausen. Der Künstler mietete als erster 1964 sein Atelier in der Zeche an.

Er lud Freunde und Bekannte zu Aschermittwoch in sein Atelier, das wurde Ende der 70er vom Förderverein weitergeführt, damals mit rund 20 Gästen. „Das Essen ist eine Art Entschädigung für die Nachbarn der Zeche, die durch den Veranstaltungsbetrieb belästigt werden“, erklärt Blome. Die Ortsansässigen machen etwa 50 Prozent der Gäste aus. Freunde, Bekannte, Künstler und Politiker stellen den Rest. Der Eintritt ist frei. Für Pellkartoffeln, Hering, Apfelschorle und Hövels Bier muss nichts bezahlt werden. „Allerdings animieren wir die Gäste schon am Eingang zum Spenden“, sagt Blome. In große Einmachgläser gibt jeder, was er kann. „Bisher war es immer genug, um unsere Kosten zu decken“, erinnert sich Blome. Manchmal sei es auch ein bisschen mehr. Rund 1000 Heringe und etwa acht Zentner Pellkartoffeln werden von 15 Helfern an die Gäste ausgeteilt. Die Vorbereitungen für das Essen beginnen am Montag. „Donnerstags machen wir dann mit den restlichen Pellkartoffeln ein Bratkartoffelessen für die Helfer.“ Unterschriftenlisten gehen herum. Zum Erhalt des Krummen Hunds und der Stadtbüchereien in Sodingen und Eickel.

Atelier-Besuch

Von der Empore aus führt ein Gang zu den Künstlerateliers. Hier ist es schlagartig ruhiger und kühler. Eine Ateliertür steht offen, es ist die von Jürgen Buhre. Der Gelsenkirchener Künstler arbeitet hier seit 2001. In seinem Atelier stehen Leinwände und Farben, aber auch eine Schlafcouch, eine Küchenzeile und ein Esstisch. „Eigentlich sind die Türen ja nur zum Tag des offenen Ateliers geöffnet“, sagt Buhre, „aber ich verbringe viel Zeit hier, und wenn Freunde anklopfen, lasse ich sie rein.“ Seine Bilder sind nur leicht gegenständlich, größtenteils in Weiß, Schwarz und Rot gehalten. Die Farben finden sich auch in Hunderten Spritzern auf dem hellen Parkett wieder. Gerade kommt seine Nachbar-Künstlerin, Gitta Witzke, an der Tür vorbei und geht in ihr Atelier. Dürfen wir einen kurzen Blick hinein werfen? „Ja, gerne, aber ich muss gleich in die Küche zum Spülen.“

Sie arbeitet gerade an einer Serie, bei der sie die Stanzkärtchen von Überraschungsei-Aufklebern auf riesige Leinwände überträgt. Der etwa vier Zentimeter große, farbige Rand mit der beigen Freifläche in der Mitte ist auf der 180 mal 180 Zentimeter hohen Leinwand kaum wieder zu erkennen. Dann muss sie aber auch schon wieder in die Küche, zu den anderen Helfern, die parallel zum Essen Schüsseln und Besteck spülen.

Henrike Pinkal

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