Zwischen Hunden und Katzen

Dinslaken..  Jacko hinkt und das bereitet Adolf Kraßnigg große Sorgen. Der Tibet-Terrier ist schließlich das Ein und Alles des Hundezüchters. Damit Jacko wieder rund läuft, geht Kraßnigg mit ihm zu Katja Hofer. Er führt seinen Hund ins Sprechzimmer und hebt ihn auf einen Metalltisch. „Da ist was mit der linken Vorderpfote nicht in Ordnung“, erklärt Kraßnigg der Tierärztin.

Hofer untersucht besagte Pfote und entdeckt eine klebrige Masse. „Das sieht nach einem Kaugummi aus“, sagt die Tierärztin. Kraßnigg schaut sie zunächst ungläubig an. „Sowas hatte ich bei meinen Hunden noch nie. Und ich züchte die Rasse doch schon seit fünfundzwanzig Jahren“, sagt der Dinslakener. Doch seine Skepsis ist bald gewichen Nun schaut sich Kraßnigg das erste Mal beim Tierarzt an, wie ein Kaugummi entfernt wird.

Für die Tierärztin ist der Eingriff Routine. Hofer setzt den Rasierer an der Pfote an, der Hund wimmert. Dafür ist Sekunden später das Kaugummi entfernt, Jackos Schmerzen sind gelindert und Kraßnigg blickt wieder erleichtert drein. Er bittet noch um einen kurzen Rundum-Check und verlässt glücklich die Praxis. Wer den Züchter erlebt, versteht Katja Hofers Aussagen über ihren Beruf. „Hunde sind mehr in die Familien eingebunden als beispielsweise freilaufende Katzen. Deshalb kommt ein Hundebesitzer schon mal eher zu mir in die Praxis“, sagt sie.

Anteil der Katzen steigt

Das war bereits 1994 so. Damals stieg Katja Hofer frisch in den Beruf ein, mittlerweile hat sie seit zehn Jahren eine eigene Praxis an der Dinslakener Krengelstraße. In dieser Zeit hat die Tierärztin aber auch einen Wandel erlebt. Auch wenn sie mehr Hunde behandelt, steigt in der Datenbank der Anteil an Katzen. Für Katja Hofer liegt der Grund dafür auf der Hand „Immer mehr Singles schaffen sich eine an, um sich nicht so alleine zu fühlen. Ein Hund ist mit dem Beruf meistens nicht vereinbar, eine Katze dagegen schon“, erklärt sie.

Dieser Trend beeinträchtigt Katja Hofer in ihrem Berufsalltag nicht. Neue Vorschriften dagegen schon. Röntgenfortbildungen, Schulungen zum Arbeitsschutz, zahlreiche Ausstellungen von EU-Heimtierausweisen – das kostet Zeit und Nerven. „Das hat alles seinen Sinn und Zweck, gar keine Frage“, betont Katja Hofer. „Es erschwert uns den Job aber.“

Zudem muss sie häufig Gespräche mit Tierhaltern führen, die es gut meinen, aber schlecht machen. Oft kommen Frauen und Männer mit einem Straßenhund aus Südosteuropa in Katja Hofers Praxis. Die Tiere sind häufig krank und verstört. „Sie werden oft in der Wohnung gehalten, obwohl sie vorher jahrelang auf einer Müllkippe gelebt haben. Das ist für das Tier nicht gut“, sagt die Tierärztin. Für Katja Hofer wäre es die bessere Alternative, Missstände in Ländern wie Rumänien, Ungarn oder Griechenland auch dort zu bekämpfen. „Tierschutz muss vor Ort betrieben werden“, betont sie.

Adrenalin als Heilmittel

Auch wenn sie sich manchmal über falsch verstandene Tierliebe und neue Vorschriften aufregt, ihren Beruf liebt Katja Hofer. Das zeigt sich beispielsweise, wenn Bulldoggen-Dame Bambam in die Praxis kommt und vor der Impfung erstmal geknuddelt wird. Oder, wenn drei Wildkatzen-Babys samt Mutter aus einer Transportbox gucken. Wobei, das mit dem Gucken ist ein Problem. Denn der junge Simba hat seine kleinen Augen noch geschlossen.

„Eigentlich sollten sie nach drei Wochen schon auf sein, aber das kann immer variieren“, sagt Katja Hofer zur Besitzerin. Die Tierärztin holt Boncuk aus der Box, auf einmal sind die Augen offen. Es liegt aber keine Wunderheilung vor. „Da hat das Adrenalin geholfen“, sagt Katja Hofer. Sie legt Simba wieder zu Mutter und den Geschwistern in die Tragebox. Nun verlässt eine glückliche Katzenbesitzerin die Praxis.