Zwischen Aasee und Prinzipalmarkt

Jürgen Kehrer und Leonard Lansink waren zu Gast in Friedrichsfeld, um über die Münsteraner Wilsberg-Serie zu sprechen und aus dem neuesten Krimi vorzulesen.
Jürgen Kehrer und Leonard Lansink waren zu Gast in Friedrichsfeld, um über die Münsteraner Wilsberg-Serie zu sprechen und aus dem neuesten Krimi vorzulesen.
Foto: Funke Foto Services

Voerde..  Es hat eine ganze Weile gebraucht, ehe Jürgen Kehrer, Schöpfer der Wilsberg-Krimis, sich an seinen Schreibtisch setzte und den Titelhelden vor neue Aufgaben zwischen Aasee und Prinzipalmarkt stellte. Ganze acht Jahre mussten sich die Fans des Münsteraner Privatdetektivs gedulden – im letzten Jahr erschien dann der neue Wilsberg „Ein bisschen Mord muss sein“. Am Sonntag waren nun Jürgen Kehrer und Leonard Lansink, der Georg Wilsberg auf der Mattscheibe verkörpert, zu Gast in Friedrichsfeld, um über Fernsehen, Literatur und Lebensläufe mit Umwegen zu sprechen und um aus dem neuen Krimi vorzulesen.

Der Förderverein Bücherei Friedrichsfeld sowie Buch & Präsent Mila Becker hatten den Abend im ev. Gemeindehaus möglich gemacht. Daher wurde Pfarrerin Susanne Jantsch dann auch die Aufgabe zuteil, die Veranstaltung zu moderieren und den beiden Künstlern ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Jürgen Kehrer musste sich dann sogleich für das lange Warten auf den neuen Wilsberg-Krimi erklären. „Es hatte verschiedene Gründe“, sagte er, „jetzt machst du mal was anderes. Ich habe eine andere Krimireihe angefangen und auch Sachbücher geschrieben.“

Anlässlich des 25-jährigen Wilsberg-Jubiläums und der 50. Episode im ZDF war es dann aber an der Zeit, dem verqueren Münsteraner Privatdetektiv neues Leben einzuhauchen. Zukunftsängste muss sich Georg Wilsberg indes nicht machen: „Ich möchte auch wieder Wilsberg schreiben“, ließ Kehrer zur Beruhigung des Publikums verlauten. So ganz verschwunden war Wilsberg während der Schaffenspause von Kehrer aber nicht. Und das hängt vor allem mit Leonard Lansink zusammen.

Lansink, der in der öffentlichen Wahrnehmung mit seinem Alter Ego Georg Wilsberg geradezu verschmolzen ist, ist seit Jahren das Aushängeschild der ZDF-Krimiserie. Stören tut ihn das aber nicht: „Wilsberg ist kein Fluch für mich, sondern ein Segen.“ Obwohl Lansink im Herzen des Ruhrgebiets aufgewachsen ist und mittlerweile mit seiner Ehefrau in Berlin wohnt, verkörpert er Wilsberg als Westfalen par excellence – stur, bodenständig und ein wenig eigen.

Neben seinen Auftritten im Fernsehen ist Leonard Lansink viel als Theaterdarsteller unterwegs. Große Unterschiede zwischen Fernsehen und Theater sah er nicht: „Im Theater glotzt man auch, da sitzt man nur bequemer.“ Lansink hatte vor seinem Schauspiel-Studium an der Folkwangschule ein Medizinstudium aufgenommen. Daher rührt vielleicht auch ein etwas skurriler Wunsch: „Ich hätte gerne die Rolle von Sascha Hehn in der Schwarzwaldklinik gespielt“, sagte er sehr zur Freude des Publikums.

Aber im Großen und Ganzen ist Lansink mit dem Charakter, den Jürgen Kehrer vor über einem Vierteljahrhundert das erste Mal zu Papier brachte, dann doch zufrieden: „Richtig gut finde ich am Wilsberg, dass er nicht soviel redet“ – ein echter Westfale eben.