Zwerchfellattacke

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Dinslaken..  Wenn Markus Krebs, der Ruhrpottrocker mit der Sonnenbrille mit seiner derben Art „Pass auf!“ sagt, ist das keine leere Drohung. Es ist die verbale Ankündigung einer Attacke auf die Zwerchfelle seiner Gegenüber. Und deren Anzahl ist Krebs völlig egal. Ob kleine Clubs oder große Säle, wo Markus Krebs seine Witze heraushaut, bleibt kein Auge trocken. Schenkelklopfer, verbale Tiefschläge, schlagfertige Sprüche: alles Spezialitäten des Hockerrockers. Und das Geheimnis des Comedy-Hits made in Duisburg: Markus Krebs ist gerade wegen seiner authentischen Art ein Sympathieträger. Am Dienstag sorgte er im Rahmen des „Summer of Love“ im Ledigenheim Lohberg für ein ausverkauftes Haus.

Es war ein „Halbabend“, so O-Ton Krebs. Der MSV-Fan bespielte die erste Halbzeit des Abends (mit kräftiger Verlängerung), die zweite geriet zum Länderspiel mit „Ostblock-Latino“ Marek Fis. „Schön, mal die Gesichter zu den Autos kennenzulernen“, lautet dessen Begrüßung an das bundesdeutsche Publikum. Und wenn ein Pole in Deutschland Comedian wird, dann zieht er nicht nur seine Landsleute durch den Klischee-Kakao.

Vor Fis’ fiesem Mundwerk ist niemand sicher. Kein Moslem und kein deutscher Papst, weder Mario Barth noch die C-Promis aus dem Privatfernsehen.

Comedy oder politisches Kabarett: der Filter ist das Sieb des feinen Geschmacks der Pointen. Marek Fis ist Comedian. Aber die politischen Pointen sitzen: „Die haben zweilagiges Toilettenpapier: Was soll das? Ist die zweite die Kopie für die NSA?“

Heftig

Vor den Gags unter der Gürtellinie hatte übrigens schon gleich zu Beginn Markus Krebs in Bezug auf sein eigenes Programm gewarnt: „Heute kann es auch schlüpfrig werden, da sag ich manchmal selber: Das ist aber jetzt heftig“. Nun, es ist jedem im Publikum überlassen, so naiv wie „Kegel-Kumpel Karsten“ zu sein , dem Krebs erklärt, dass die Stange im Hotelzimmer auf der Reeperbahn für den Notfall sei und bei einem Brand da ein Feuerwehrmann herunterkommen würde. Fis sorgte zum Schluss mit einem Lied über polnische Spargelstecher für Stimmung.

Vorher aber zog er nicht nur über schlechte Fernsehformate her, soziale Konflikte in „Bad Marxloh“ gehören ebenso zu seinen Themen wie der Magdeburger Polizist, der sich beim Anblick eines Polen und eines Jamaikaners bei der Verkehrskontrolle über den „Jackpot freut“. „Sich in Russland für Menschenrechte einzusetzen, ist ungefähr so sicher wie in Zwickau eine Dönerbude aufzumachen.“

So bierernste Themen gibt es bei Markus Krebs nicht. Er bleibt beim Bier und der Ernst außen vor. Es ist laut im Saal, wenn er redet, denn wenn er einmal redet, kommt das Publikum nicht mehr aus dem Lachen aus voller Kehle heraus. Dass Krebs übrigens Witze einseitig auf Kosten von „Steuerklasseveränderinnen“ macht, ist einfach nicht wahr: „Sagt sie: Ihr Männer hört einfach nicht zu. Antwortet er: Sind wir gar nicht“.

Im Ledigenheim hörten Männer und Frauen Krebs und Fis gleichermaßen zu. „War’n schöner Abend“, freute sich der Hockerrocker gemeinsam mit dem Publikum.