Zweifel am Standort Lohberg

Auch das Konzert der „Lords“ wurde abgesagt.
Auch das Konzert der „Lords“ wurde abgesagt.
Foto: WAZ

D.  Erneut muss das „Summer of Love“-Festival drei Auftritte absagen: Die Konzerte Animals & Friends (heute), The Lords/The Rattles (Samstag) und die Ruhrpott Revue (Sonntag) finden nicht statt. Sie werden „zu einem noch nicht festgelegten Zeitpunkt 2016 in einer anderen Stadt stattfinden“, so die offizielle Mitteilung. Für die Auftritte wurden zusammen weniger als 100 Karten verkauft, so Lothar Luft, Projektleiter der Kreativ-Akademie West – die Tickets werden erstattet. Selbst von den 2000 Karten für das Wochenende, die die Kreativ-Akademie West zugunsten der Nepal-Hilfe der ISAR verschenken wollte, wurde keines abgerufen. Luft sucht nach Ursachen für das geringe Interesse – und zweifelt am „Standort Lohberg“, wie er sagt.

Dabei schienen die Startvoraussetzungen denkbar gut: ein Programm mit großen Namen, Förderer mit großen Namen, eine Botschaft: Frieden. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist Schirmherrin des Festivals, die RAG Förderer, Mark Featherstone-Witty, Geschäftsführer des Liverpool Institute of Performing Arts (LIPA) kam zur Eröffnung. Die „Woodstock Arts Exhibition“ habe auch das Folkwang Museum Essen und der Gasometer Oberhausen haben wollen, so Luft.

Dennoch ist die Nachfrage nach Tickets übersichtlich. Stars spielten vor wenigen hundert Menschen, Kalle Pohls Auftritt wurde ebenso verlegt wie die Joe Cocker- und Beatles-Tributes, Trez Homrez und Best Comedy in Town wurde auf unbestimmt verschoben. In Mülheim hätten Lords & Rattles vor 1400 Gästen gespielt, so Luft, in Dinslaken wurden 20 Tickets verkauft.

Weltweit würden Schulkinder sich an Matt Lambs Projekt „Umbrellas for Peace“-Projekt beteiligen – in Dinslaken hätte keine einzige Schulklasse auf die Anfrage reagiert. Ähnlich verhalte es sich beim Friedenskongress. Dabei sei doch das, was Lohberg gut täte: „Flagge zeigen, dass Dinslaken eine bunte, offene Stadt ist“, so Luft.

Die überregionale Berichterstattung über Lohberg als „Salafistenstandort“ Anfang des Jahres hätte dem Festival enorm geschadet, so Luft. Nun müsse man sich fragen, ob der Standort „überhaupt belebbar ist“. Dies werde man vor allem mit dem LIPA besprechen müssen. Auch von der Stadt hätte sich Luft mehr Unterstützung – etwa durch eine Beteiligung an der Extraschicht – und mehr Präsenz erhofft.

Für Kritik, das Festival sei zu wenig beworben worden, hat Luft wenig Verständnis. Er zählt mehrere Vervielfältiger via Newsletter auf, auch Plakate seien geklebt worden. Die Fans der Puhdys oder von Markus Krebs, der sich recht gut verkaufe, hätten ja auch Wind davon bekommen.