Zwangsverwalter muss ins Gefängnis

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Was wir bereits wissen
Drei Jahre und zehn Monate Haft für 59-jährigen Dinslakener. Geständnis wirkte sich noch strafmildernd aus.

Duisburg/Dinslaken.. Jahre lang war ein 59-jähriger Dinslakener von Amtsgerichten in Duisburg, Dinslaken, Moers und Frechen als Verwalter für von Zwangsversteigerungen bedrohte Immobilien eingesetzt worden. Was die Gerichte nicht ahnten: Zwischen 2005 und 2008 zweigte der Chef einer sogenannten Wirtschaftskanzlei mehr als 400 000 Euro für eigene Zwecke ab. Das Landgericht Duisburg verurteilte ihn dafür gestern zu insgesamt drei Jahren und zehn Monaten Haft.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Der Angeklagte habe seine besondere Vertrauensstellung als Zwangsverwalter missbraucht, so die Richter am Ende des zwölftägigen Verfahrens. Motiv: „Er war in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, weil die Aufträge rückgängig waren, der Kostenapparat seines Unternehmens zu hoch und der eigene Lebensstil zu groß war“, so der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Das Wirtschaftsberatungsunternehmen des Angeklagten ist inzwischen längst insolvent. Die Ehefrau des 59-Jährigen hat in Thüringen ein kleines Hotel übernommen.

Zu Lasten des Angeklagten wertete die Wirtschaftsstrafkammer den langen Tatzeitraum und den hohen Schaden. Deutlich strafmildernd wirkte sich vor allem das weitgehende Geständnis des Mannes aus, der zunächst auch wegen unberechtigten Führens eines Doktortitels angeklagt gewesen war.

Dieses Delikt, für das der 59-Jährige bereits mehrfach verurteilt worden war, wurde aber ebenso wie weitere Anklagepunkte eingestellt.

Ein Geständnis und Schadenswiedergutmachung bewahrte den mitangeklagten 28-jährigen Sohn des Zwangsverwalters vor dem Gefängnis: In zwölf Fällen hatte sich der Junior der Beihilfe schuldig gemacht, weil er dem Vater ungerechtfertigte Rechnungen ausstellte und so die Untreue erst möglich machte. Seine Strafe: elf Monate auf Bewährung.

Das Urteil wurde rechtskräftig. Bis zum endgültigen Haftantritt darf der 59-Jährige, bislang in U-Haft, in Freiheit.