Zurück zu den Wurzeln nach Bombay

Dr. Romana Drabik unterhält sich mit Leprapatienten in einer Klinik in Bombay.
Dr. Romana Drabik unterhält sich mit Leprapatienten in einer Klinik in Bombay.
Foto: NRZ
Vor 35 Jahren kümmerte sich Romana Drabik schon einmal um die Leprakranken in Indien. Heute engagiert sie sich wieder dort. Dieses Mal in der Millionenmetropole und einem der weltweit größten Lepragebiete.

Dinslaken/Bombay..  Erschüttert zeigt sich Romana Drabik immer wieder darüber, welch menschliches Leid die Lepra auslöst – durch Unwissenheit der Ärzte, der Menschen. Denn Lepra ist heilbar. „Ich bin entsetzt und traurig“, so erzählt sie, „da gibt es eine Krankenschwester, die jahrelang Patienten versorgte, von Ärzten umgeben war, und niemand erkannte, dass sie an Lepra erkrankt war.“ Viel Leid hätte der inzwischen erblindeten Frau erspart bleiben können, wäre die Krankheit früher diagnostiziert worden.

Wieder einmal ist die quirlige Ärztin von einer Reise in Sachen Lepra zurückgekehrt, dieses Mal aus Indien. Seit drei Jahren kümmert sie sich in Dharavi, einem Slum im südlichen Teil der Millionenmetropole Bombay gelegen, um die Leprakranken, führt dort Reihenuntersuchungen durch und nahm in diesem Jahr am Weltlepratag teil. Neben Nordindien und Brasilien ist Bombay das größte Lepra-Endemiegebiet der Welt, so berichtet die Ärztin. Hilfe ist dringend vonnöten. Doch es gibt mit Dr. Pai, einem ihrer Schützlinge, nur einen Lepraarzt in der Metropole mit 14 Millionen Einwohnern, von denen allein 2 Millionen in Dharavi unter erbärmlichsten Bedingungen leben.

Viel, so könnte man annehmen, habe sich nicht geändert, seit ihrem ersten Besuch in Indien vor 35 Jahren. Damals war sie in Kerala am Südzipfel Indiens, in Madras, in Nalgonda und im hohen Norden, in Kashmir, Punjab und den angrenzenden Regionen. Geradewegs von den Straßen habe sie die Leprakranken aufgelesen, selbst nach 1985 noch, „und da war die Lepra bereits heilbar“. 2500 Kranke waren es allein in Madras. Dort hat sie sich die Stadt mit dem DAHW (Deutsches Lepra- und Tuberkulose Hilfswerk) aufgeteilt. Während die Würzburger im Norden der Stadt tätig waren, unterstützte die Dinslakener Leprahilfe den Südteil der Stadt.

In Nalgonda hingegen sei sie einst auf ein anderes Problem gestoßen: Auch nach der Heilung ihrer Krankheit wollte die „Aussätzigen“ niemand aufnehmen. Kurzerhand ließ Romana Drabik eine kleine Siedlung mit Reihenhäusern für die geheilten Leprapatienten aufbauen. Der Dank – eine Dinslaken Straße. Damit endete Anfang der 90er Jahre der Einsatz der Ärztin in Indien, die ehemaligen Sowjetrepubliken waren ein weißer Flecken in der Lepralandschaft und die Dinslakener, die ersten und einzigen, die dort halfen.

Nun aber ist sie wieder zurückgekehrt nach Indien, nach Kerala, auf Bitten zweier indischer Priester der St. Vincentius Gemeinde, aber vor allem nach Bombay. Zwar gibt es in der Millionenstadt 20 Krankenhäuser, doch dort werden nur zweimal wöchentlich für wenige Stunden Kontrolluntersuchungen durchgeführt. Für die Lepra verantwortlich ist nur Dr. Pai, ihr Schützling, der quasi vor seinem Minibüro die Patienten behandelt. „Bei meinem letzten Besuch war es noch ein Baracken ähnlicher Raum mit einer Plane als Dach. Doch der Sturm hat sie weggeweht, nun steht nur noch die Mauer“, erzählt die Ärztin.

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