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Schule

Zu viele Bildungsverlierer

16.02.2010 | 17:02 Uhr

Dinslaken. Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft referierte Prof. Dr. Hans-Martin Lübking über die Schwächen des gegliederten Schulsystems.

Eindrucksvoll beschrieb Prof. Dr. Hans-Martin Lübking vom pädagogischen Institut der ev. Kirche von Westfalen, der als Referent auf der GEW-Veranstaltung im City-Hotel zu Gast war, die Ungerechtigkeit in unserem Bildungssystem: Die Mehrheit der Elternschaft spräche sich für ein gemeinsames längeres Lernen aus. Lediglich die FDP-Anhänger hingen noch dem vielgliedrigen Schulsystem an. Zu erdrückend seien die empirischen Ergebnisse der erziehungswissenschaftlichen Untersuchungen, um noch länger an dieser Schulstruktur festzuhalten.

Wie schon die Lokalpresse berichtete (Sozialbericht 2009), sei ein grundlegender Mangel nicht einmal im Ansatz behoben: „In keinem Land ist der Schulerfolg so sehr von der sozialen Herkunft abhängig wie in Deutschland." So sei auch nicht erstaunlich, dass drei Viertel der Bevölkerung nach einer Befragung, die 2008 von der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt worden sei, der Meinung seien, dass die Jugendlichen aus allen Schichten nicht die gleichen Chancen hätten. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigten dies. „Es gibt kein wissenschaftliches Problem mehr, es gibt nur noch ein politisches Handeln der Verantwortung für ein gerechtes Bildungssystem", so Prof. Lübking. Es sei unverantwortlich, Kinder mit zehn Jahren in Laufbahnen zu schicken, die nur schwer zu korrigieren seien.

Abitur auch ohne Gymnasialempfehlung

Und so komme es zu dem massiven Nachhilfeunterricht. An etwa 3000 Nachhilfeunternehmen zahle die Elternschaft, die es sich leisten könne, 1,5 Mrd Euro. Ohne diese Privatfinanzierung wäre das Schulsystem am Ende. Mit dieser Unterfinanzierung und früher Auslese erzeuge die Schule 15 bis 20 Prozent Bildungsverlierer (ohne Abschluss, keine Lehrstelle, davon jeder 2. ein ehemaliger Hauptschüler).

Eine jüngste Untersuchung zeigt laut Lüking, wohin die Reise gehen müsse: 70 Prozent aller Abiturienten an den NW-Gesamtschulen hätten am Ende der 4. Grundschulklasse keine Gymnasialempfehlung bekommen.

Hans-Martin Lübking wies darauf hin, dass der Schaden auch wirtschaftlich enorm sei, so habe der Bildungsökonom Wößmann errechnet, dass diese mangelhafte Ausschöpfung der Bildungsreserven in den nächsten Jahrzehnten 2,5 Billionen Euro betrage. Zudem seien weitere Reformen notwendig wie kleinere Klassen, die ausreichende Finanzierung, ein realer Ganztag, innere Strukturreformen.

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine rege Diskussion. Viele Teilnehmer sahen sich in ihrer Meinung bestärkt, dass die Landesregierung endlich handeln müsse.

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