„Zu viel des Guten ist wundervoll“

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Dinslaken..  Am Ende der Revue-Show, als das Publikum den Golden Girls ihren Auftritt mit stehenden Ovationen dankte, wurde das Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Einigen Damen war der Kajal unter Tränen hinweggeflossen. Deren Gatten wussten immer noch nicht, ob das, was sie in den letzten zwei Stunden gesehen hatten, urkomisch oder unverschämt schamlos war. Vermutlich war es beides.

Was feststeht, ist, dass die Düsseldorfer Golden Girls mit ihrer neuen Show „Außergewöhnlich“ das Ledigenheim am Samstag in ein buntes Tollhaus verwandelten. Die Kunst der Travestie wird bei den Golden Girls als Kunst der knallbunten, extrovertierten, von subtilen aber häufiger direkten Anspielungen durchzogenen Unterhaltung verstanden.

Dabei ist die Verwandlung der Männer in überzeichnete Frauenbilder als Mittel zur Überwindung von Geschlechterrollen unabdingbar. So konnten die Golden Girls die Macken und Marotten von Männern, aber auch Frauen unverblümt aufgreifen und gekonnt zuspitzen. Dabei nahmen die Düsseldorfer Paradiesvögel kein Blatt vor den Mund. Sei es ein Alltagskonflikt zwischen Ehepartnern oder Geschlechtsverkehr unter rüstigen Senioren – keine Wahrheit ist zu dunkel, um nicht ausgesprochen zu werden. Schamlos, frivol, aber pointiert bis in die Federspitzen des bunten Kopfschmucks der Düsseldorfer Ladies.

Wer jetzt aber denkt, die Show der Golden Girls würde sich nur aus Witzen in der Äquatorialebene zusammensetzen, der liegt zum Glück falsch. Mit gesanglichen Einlagen, die zwischen Musical und Volksmusik variierten, zeigten die Diven auch musikalisch Bühnenpräsenz. Mit Songs von Liza Minnelli bis Andrea Berg nahmen sie das Publikum nicht nur mit auf eine Tour durch die unterschiedlichsten Genres, sondern auch auf eine Reise durch die Zeit.

Besonders animierend war Hans Albers‘ „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“. Das Publikum schunkelte dazu einträchtig im Takt und sang zumindest den Refrain lautstark mit. Da durfte dann auch mal a capella gesungen werden. Und zwischen den Strophen wurde der ein oder andere frivole Reeperbahn-Witz vom Stapel gelassen.

Man hatte das Gefühl, die Kostüme wurden mit jeder Showeinlage noch ein bisschen glitzernder, noch ein bisschen extravaganter. Da vergaß man recht schnell, dass hinter Emsi, Franka Bodega, Victoria West und Stefanie de Fleur eigentlich Michael, Frank, William und Stefan steckten. Aber so sollte es ja auch sein. Denn die Kunst ist es nicht, dass sich Männer in Frauenkleider zwängen, sondern, dass sie ihre Rolle dem Publikum parodistisch und doch authentisch vermitteln können. Das gelang mit Bravour.

Wer in diesen Tagen eine Antwort darauf sucht, was eine Gesellschaft an Parodie aushalten darf, dem sei ein Besuch bei den Golden Girls und ihrer Travestie-Revue-Show, ans Herz gelegt. Oder, wie es in einem Film über den extravaganten Entertainer Liberace heißt: „Zu viel des Guten ist wundervoll“.

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