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Zehn Minuten, die Leben retten

01.03.2009 | 18:10 Uhr

HILFSAKTION. Der Verein Gänseblümchen und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei suchten Stammzellspender für Leukämiekranke.

Fünf Milliliter Blut entnahmen die Ärzte den potenziellen Spendern. (Foto: Heinz Kunkel)

Dinslaken. Vielleicht wird Waltraud Delfs bald zur Lebensretterin. Vielleicht helfen zehn Minuten Zeitaufwand und fünf Milliliter Blut, einen Menschen von seiner Krankheit zu befreien. Wenn Delfs daran denkt, lächelt sie: "Es ist ein gutes Gefühl, die Typisierung gemacht zu haben."

Wie sie dachten Viele der 559 Menschen, die am Samstag in die Holzhalle an der Trabrennbahn kamen. Der Verein Gänseblümchen und die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hatten aufgerufen, sich in die Kartei der DKMS aufnehmen zu lassen. Aus aktuellem Anlass: Der an Leukämie erkrankte neunjährige Anthony sucht einen Stammzellspender (die NRZ berichtete).

Dem Kind wollen viele Menschen helfen: "Es ist ständig zu tun", fasst Malte Wittwer, Pressesprecher der DKMS, das rege Treiben in der Halle zusammen. An zwanzig Tischen sitzen Ärzte, die Blut entnehmen, am Rand halten Helfer Daten fest. "Die Daten der potenziellen Spender kommen in eine Datei und stehen weltweit zur Verfügung", erklärt Wittwer. Wenn mindestens sechs Gewebemerkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmten, sei eine Stammzelltransplantation möglich.

Die Angst vor solch einer möglichen Transplantation hielt Waltraud Delfs bisher von einer Typisierung ab: "Seit der Geburt unserer Tochter wollte ich das machen. Schließlich kann es auch unser Kind treffen." Sie fürchtete jedoch, dass ihr bei einer möglichen Stammzellspende eine Knochenmarktransplantation bevorstünde. "Jetzt habe ich erfahren, dass in den meisten Fälle eine Knochenmarkentnahme gar nicht nötig ist."

Michaela Schaffrath war Schirmherrin Hier sieht Wittwer Aufklärungsbedarf. "Viele wissen nicht, dass dem Spender oft ambulant Stammzellen aus dem Blut entnommen werden". Einige schreckten deshalb vor der Aufnahme in die Spenderkartei zurück. "Man weiß nie, ob 20 oder 500 Leute zu einer Typisierung kommen", so Wittwer. Mit dieser Ungewissheit plante der Verein Gänseblümchen die Aktion. Tobias Modrzejwski, erster Vorsitzender des Vereins, zeigt sich aber zufrieden: "Es ist gut angelaufen." Er lobt das Engagement der 80 Helfer.

Einer von ihnen ist Dr. Peter Wevers. Er kommt gerade ganz schön ins Schwitzen. Nicht wegen der Blutabnahme, die ist Routine für ihn. Wohl aber wegen der RTL-Kamera, die ihn und Schauspieler Igor Dolgatschew filmt. Mit Schirmherrin und Schauspielerkollegin Michaela Schaffrath und Tom Barcal unterstützt Dolgatschew die Aktion. "Als Person, die in der Öffentlichkeit steht, kann ich die Typisierung bekannter machen", so Schaffrath, die Wevers bei der Blutabnahme assistiert. Wevers betont, dass schon vielen Patienten fremde Stammzellen halfen. Er weiß aber auch: "Es ist eine große Lotterie, einen passenden Spender zu finden."

Hannah Schepers

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