Wiedergeburt der Einkaufsstadt?

Dinslaken..  Lange galt Dinslaken als die Einkaufsstadt in der Region. Die Kaufkraft aus dem Umland ging aber für die Gemeinde allmählich verloren. Wie viele deutsche Innenstädte hat es auch die Dinslakener nicht leicht gehabt. Kaufhäuser wie Hertie verschwanden, wegen des Strukturwandels saß das Geld bei den Menschen nicht mehr so locker und ohnehin bestellen sie immer häufiger im Internet.

Jetzt herrscht wieder eine Art Aufbruchstimmung bei den Einzelhändlern. Von einer Wiedergeburt der Einkaufsstadt will die städtische Citymanagerin Antje Vancraeyenest aber noch nicht sprechen. Die Innenstadt sieht sie aber auf einen guten Weg. „Das alte Einzugsgebiet von Dinslaken verfestigt sich allmählich“, sagt sie. Kunden kommen wieder vermehrt aus dem Altkreis Dinslaken und der weiteren Umgebung.

Kunst belebt die Leerstände

Das liegt für die Citymanagerin auch an der Neutorgalerie. Das Einkaufszentrum hat im November 2014 eröffnet. Es liegt aber auch an vielen kleinen Maßnahmen und Aktionen, die in den vergangen Jahren nach und nach in der Innenstadt umgesetzt wurden. Und es stehen noch weitere an.

So setzt die Stadt das Konzept „Kunst sta(d)tt Leerraum“ in diesem Jahr fort. Vom 19. bis zum 20 Juni verwandeln sich dann wieder sieben leerstehende Ladenlokale zu Ausstellungsräumen für Künstler. Aktuell sind die „Urbanen Künste Ruhr“ mit einem Reisezentrum für die Aktion „Reisen im Kreis“ an der Neustraße 54 vertreten. Sieben Künstler nehmen bei dem Projekt die Gäste mit auf Entdeckungstouren durch den Kreis Wesel und laden ein nach Dinslaken.

Während der Ruhrtriennale – dem Fest der Künste in der Region – kehrt die Kunst nur einige Wochen später zurück in Dinslakens Schaufenster. Die Stadt ist ein Spielort der Campustriennale, bei der sich neue Theater- und Künstlergeneration einem Publikum präsentieren können. Schaufenster-Installationen werden in Dinslaken zu sehen sein.

Baumaßnahmen in der City

Es ist ein kreativer Umgang mit dem Leerstand, der zeigt, wie es aussehen könnte, wenn diese Geschäfte belebt wären. Dazu gesellen sich ganz pragmatische Ansätze, wie die Projekte aus dem Förderprogramm „Aktive Stadt und Ortsteilzentren.“ Der Rutenwall, die grüne Achse oder die aktuell laufende Umgestaltung der des Stadtparks sind einige Beispiele. Geplant ist noch eine Maßnahme auf der Friedrich-Ebert-Straße – dem Übergang von der Neustraße zur Altstadt. Hier setzt auch die Baumaßnahme an. Das Überqueren der Straße für Fußgänger will die Stadt leichter machen.

Mehr Kunden unterwegs

Dass es gar nicht so schlecht in der Neustraße laufen kann, das bemerkt auch jeder, der sie in den vergangenen Monaten einmal entlang geschlendert ist. Den ganzen Tag sind dort Menschen unterwegs. Und hier lässt die positive Wirkung der Neutorgalerie kaum noch von der Hand weisen.

„Der Kundenstrom konzentriert sich auf die Neustraße“, erklärt Antje Vancraeyenest: „Wir haben auch festgestellt, dass es keine besorgniserregende Verschiebung von Geschäftslagen gegeben hat.“ Einzelhandel und Einkaufszentrum kann man eben nicht getrennt von einander sehen.

Diese Meinung teilt auch Peter Glöckner von IPH Handelsimmobilien GmbH. Sein Unternehmen übernimmt ab dem 1. Juli das Center Management für die Neutor Galerie. Die IPH betreut noch 15 weitere Einkaufszentren. Das neue Center Management wird sich auch im Stadtmarketing-Verein Dinslaken engagieren. „Wichtig ist der Schulterschluss mit den Einzelhändlern in der Stadt. Wir sind keine Einzelkämpfer. Unsere Wettbewerber befinden sich nicht in Dinslaken, sondern außerhalb der Stadt“, so Peter Glöckner.

Der Einzelhandel ist optimistisch

Optimismus verbreitet auch Bernhard Bruns, Inhaber von Brillen-Chic direkt am Neutor: „Seit der Eröffnung der Galerie hat die Frequenz bei uns zugenommen.“ Zwar hatte er lange die Baustelle direkt vor seiner Ladentür, aber heute bekommt er nach der Leidenszeit „viel positive Resonanz, auch von Leuten, die nicht aus Dinslaken kommen.“ Er sagt: „Ich bin mit der Situation hochzufrieden und kann Nörgeleien nicht nachvollziehen.“

Bei anderen Einzelhändlern ebbte der Besucherstrom nach den ersten Monaten wieder ab. „Zu Beginn war die Frequenz höher, da hat mein Chef versucht, die Öffnungszeiten zu verlängern. Nun sind wir wieder bei 18.30 Uhr in der Woche und 17 Uhr am Samstag“, sagt Heidi Schöl, Mitarbeiterin bei Lederwaren Bröker an der Neustraße.

Auch Georg Bellenhaus vom gleichnamigen Spielwaren-Geschäft an Neustraße sieht das ähnlich. „Nach der Eröffnung haben wir gemerkt, dass die Leute neugierig waren“, sagt er und fügt hinzu. Mittlerweile habe sich aber wieder alles normalisiert. „Dass die Händler die Wirkung am Anfang stärker gespürt haben, das liegt auch an der Jahreszeit. Die ersten Monate im Jahr sind immer etwas schwächer“, so Antje Vancraeyenest.

„Die Frequenz in der Neustraße ist gesunken“, sagt hingegen Sandra Stolte. Sie ist Filialleiterin beim Modehaus Cruse an Neustraße. Aus ihrer Sicht wäre es wichtig, dass die Einzelhändler gemeinsame Öffnungszeiten hätten. „Wir haben am Samstag bis 18 Uhr geöffnet. Das Problem ist, dass um uns herum die meisten Geschäfte dann schon geschlossen haben“, sagt sie.

Auch wenn darin keine Öffnungszeiten geregelt sind, soll die nicht unumstrittene Gestaltungssatzung der Stadt Dinslaken den Händlern einen gemeinsamen Rahmen geben. In der Satzung ist es geregelt, wie der öffentliche Bereich vor den Geschäften aussehen soll. Das betrifft Werbeschilder, aber auch Tische und Stühle von Gastronomen. „Es ist ein Instrument, dass unter den Händlern kontrovers diskutiert wird“, sagt die Citymanagerin. „Wir versuchen hier als Stadt aktiv zu werden und auf die Händler beratend zuzugehen.“

Es ist viel in Bewegung in der Innenstadt. Und es wird sich auch die nächsten Jahre noch viel verändern. Ob aus Dinslaken wieder die alte Einkaufstadt wird, das muss sich aber noch zeigen.