Wenn Voerde zum Tatort wird

Voerde..  Es ist 22 Uhr, als sich die Besucher der Kriminacht in der Buchhandlung Lesezeit! begegnen. Jeweils zwei unterschiedliche Lesungen und ein kurzweiliges Rahmenprogramm haben sie schon hinter sich gebracht, als Krimiautor Horst Eckert sie zur finalen Lesung begrüßt. „Schön, dass Sie alle so lange durchgehalten haben“, sagt der Autor. Dass es sich dabei um die letzte des Abends handelt, kommentiert einer der Zuschauer mit einem lautstarken „Schade!“ und sorgt für einige Lacher im Zuschauerraum.

Dann beginnt Horst Eckert aus seinem 13. Roman „Schattenboxer“ zu lesen. Als Vorlage hat der Autor den ungelösten Mord am damaligen Präsident der Treuhandanstalt, Detlev Rohwedder, im April 1991 genommen. „Ich habe alle Namen geändert, da ich nicht den Eindruck erwecken wollte, dass diese Geschichte die Wahrheit sei“, erklärt Horst Eckert. „Trotzdem ist sie vielleicht plausibel. Das können sie selbst überprüfen.“ Dann nimmt er sein Publikum mit in eine Kriminalgeschichte, in der Ermittlungen, die Familiengeschichte des Kommissars und seine Beziehung die Geschichte vorantreiben. Dazu kommt ein weiterer, eigentlich bereits abgeschlossener Mordfall. Dass nach der Lesung kaum noch ein Besucher bleibt, um ein Autogramm des Autoren zu erhaschen, liegt da sicher weniger an dessen Erzählung, sondern eher an der fortgeschrittenen Uhrzeit: Es ist kurz nach 23 Uhr und viele der Besucher haben schon um 17.30 Uhr auf den Beginn der ersten Lesung in der Innenstadt gewartet.

Auch die anderen Krimiautoren, die zu Lesungen in Geschäfte der Innenstadt luden, hatten ihren Gästen spannende Unterhaltung mitgebracht. In der Boutique Crisba servierte Autorin Christiane Wünsche mit ihrem Roman „Zaungast“ eine Mixtur aus Verbrechen und Beziehungsdrama. Das ganze eingerahmt von Gedichten der Autorin. „Das Schreiben von Gedichten ist neben der Prosa meine große Leidenschaft“, erklärte sie. Dann ging es, zumindest anteilig, auf eine Zeitreise durch die Erinnerungen ihrer Figuren in die 80er-Jahre.

Im Bestattungshaus Knopf hatte Autor Norbert Horst einen anderen Ansatz parat: „Ich mache bei Lesungen gerne einen Realitätscheck“, erklärt er. Als Kriminalhauptkommissar der Bielefelder Polizei hat er natürlich einen genauen Einblick in Ermittlungsarbeiten. „Man sieht als Polizist viel Schreckliches, aber erlebt auch komische Dinge“, berichtet er. Neben einer mitreißenden Geschichte hat er auch Humor im Gepäck. Nicht nur, als seinem Ermittler beim Metzger der Appetit aufs Mettbrötchen vergeht, als er ein Gespräch über alle möglichen Erkrankungen mit anhören muss. Denn es gibt auch Geschichten aus dem Polizeialltag. Und so treten die Gäste nach drei Lesungen und einem bunten Rahmenprogramm zwischen den Kriminalfällen zufrieden ihren Heimweg vom „Tatort Voerde“ an.