Weniger Organisation, mehr „Lindgrenisation“

Voerde..  Einfach mal wieder Kirschen ans Ohr hängen oder einen Zettel mit der Aufschrift „Defekt! Bitte laut sprechen“ an die Sprechanlage eines Fastfood-Restaurants hängen. Einfach mal Quatsch machen, dafür plädiert Kabarettist René Steinberg in seinem neuen Programm „Gebt dem Unsinn das Kommando“. Mit durchschlagendem Erfolg: Das Publikum im voll besetzten großen Sitzungssaal des Voerder Rathauses kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Schluss mit dem Optimierungswahn. Schluss mit den effektiven Verkürzungen und Streichungen. Schluss mit dem Ökonomie-Denken. Auf sprachliche Stilblüten „Mir ist usselig“ darf genauso wenig verzichtet werden wie Pommes Rot-Weiß essende Kommissare. Sonst ermittelt Horst Schimanski bald im florierenden Veganer-Viertel und wird nicht mehr von Götz George, sondern von Kai Pflaume gespielt.

Steinberg hat keinen Zweifel, dass uns das Wasser bis zum Hals steht, wir gestresst werden von den vermeintlichen Technik-Hilfen. Wir sind angekommen im Zeitalter des Zauberlehrlings 2.0. Reloaded. Dank Besen-App. Und deswegen hält der Kabarettist aus Mülheim dagegen. „Ich will weniger Organisation, quasi mehr Lindgrenisation.“

Steinberg, der einem breiten Publikum durch Radio-Sendungen wie „die von der Leyens“ bekannt wurde, begibt sich zum ersten Mal auf Solo-Tour und beruft sich auf das, was er am besten kann: Parodieren. Wenn Steinberg voller Einsatz in seine Rolle schlüpft, reißt er das Publikum von den Sitzen. Wie würde Jürgen Klopp in einem Tatort aussehen? (Er würde auch mal in den Keller gehen.) Was würde Helge Schneider am Tatort machen? Und wie würde die Kommunikation des Ermittler-Trios Herbert Grönemeyer, Til Schweiger und Udo Lindenberg ablaufen?

Die Höhe des Unsinns aber ist Steinbergs Aufführung von „Die Miserabel“. Wenn Angela „Mutti“ Merkel im „Reichtags-Dome“ auf einen rockenenden Helmut Schmidt, auf den Geist Ronald Pofalla und eine herabschwebende, leicht bekleidete Andrea Nahles trifft. Merkel schließt den Vorhang mit „Heute ist nicht aller Ende Tage, ich mach weiter, keine Frage.“

Das gilt wohl auch für Steinberg. Die Voerder jedenfalls würden es sich wünschen.

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