Was kann der Energieausweis ?

Kreis Wesel..  Energieausweis? Dass es so etwas für Gebäude gibt, haben viele schon gehört. Seit Mai ist es gesetzliche Pflicht, in Immobilienanzeigen Energiekennzahl, Energieeffizienzklasse, Art des Ausweises, Baujahr und Energieträger anzugeben. Nur wenige Anzeigen erhalten diese Informationen vollständig – und welcher Verbraucher kann mit den Angaben überhaupt etwas anfangen? Verbraucherzentrale NRW, das Kompetenznetz Energie und die Entwicklungsagentur Wirtschaft im Kreis Wesel wollen jetzt offensiv informieren.

Zwei verschiedene Ausweise

Ganz einfach, man ahnt es, ist die Materie nicht. Da ist die Energiekennzahl, die die Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter benennt. Typische Neubauten mit moderner Heizung und guter Dämmung liegen aktuell bei einem Wert von 50, zahlreiche Altbauten rangieren dagegen im dreistelligen Bereich. Bei den Effizienzklassen – sie sind neu eingeführt worden und ähnlich denen, die beispielsweise für Kühlschränke angegeben werden - gibt es Werte von A+ bis H. „Ein Neubau findet sich in der Regel in Klasse A oder B wieder. Aber für einen betagten Altbau kann Klasse C, in die ein Kennwert von 99 fällt, durchaus gut sein“, sagt Norbert Mohr, Energieberater der Verbraucherzentrale.

Für Käufer von Immobilien ist es wichtig zu wissen, ob sie einen Verbrauchsausweis oder einen Bedarfsausweis vor sich haben: Während der Verbrauchsausweis vergleichsweise preiswert zu haben ist, dokumentiert er auch lediglich das Verhalten der Bewohner. Beheizt also jemand nur einen Raum und lebt ansonsten in Pullovern, würde der Ausweis prima Ergebnisse dokumentieren, ihr Zustandekommen dagegen nicht erläutern. Ein Bedarfsausweis wird vom Fachmann erstellt, der die Immobilie selbst untersucht, allerdings von einer Raumtemperatur von 20 Grad Celsius ausgeht, in jedem Raum. Hilfe bei der richtigen Deutung des Energieausweises gibt es bei der Verbraucherzentrale.

Ein guter Energieausweis listet am Ende Sanierungsempfehlungen auf, für die dann die Handwerker Ansprechpartner sind. „Käufer wissen damit, worauf sie sich einlassen“, erläutert Michael Düchting, Leiter der Entwicklungsagentur Wirtschaft im Kreis Wesel. Wer sich in die schnuckelige alte Kate verguckt hat, kann dann besser einschätzen, ob er sie sich auch mit allen anstehenden Konsequenzen leisten kann.

Schonfrist läuft ab

Neu ist seit Mai auch: Der Anbieter muss den Energieausweis vorlegen, bislang war das nur auf Anfrage so. Nach einer Schonfrist, verstößt vom 1. Mai 2015 an gegen das Recht, wer sich dieser Pflicht entzieht. Auch wenn Mieter wenig Einfluss auf die Sanierung haben: Nicht immer ist eine niedrige Kaltmiete günstig. „Ein Euro Kaltmiete mehr für einen guten Neubau gegenüber einem schlecht isolierten Altbau ist in der Regel kostenneutral“, sagt Mohr. Heißt: Am Ende zahlt der Mieter das gleiche.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE