Von Hummeln und Erdbeeren

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Was wir bereits wissen
Erdbeerpflanzen sind Diven. Empfindlich, dulden sie keine Pflegefehler. Deshalb setzt Landwirt Dirk Buchmann die fleißigen Insekten ein, um seine Erdbeerblüten befruchten zu lassen.

Hünxe..  Erdbeerpflanzen sind Diven. Empfindlich, dulden sie keine Pflegefehler. Landwirt Dirk Buchmann weiß das: Rund 95 000 der anspruchsvollen Pflanzen beginnen jetzt in den großen Folientunneln auf dem Schulte-Drevenackshof zu blühen. Und Buchmann beschäftigt die perfekten Mitarbeiter um sie zu pflegen. Fleißig, ungeheuer sorgfältig, ausgeglichen, treu und dabei sehr genügsam. Hummeln, genauer gesagt: dunkle Erdhummeln (bombus terrestris). Pro Folientunnel ist ein Volk im ewig summenden Einsatz.

Sorgfältige Arbeiterinnen

Anders als Tomaten, benötigen Erdbeeren im Grunde keine Hilfe von außen. „Sie sind zweigeschlechtlich, der Wind würde zur Befruchtung ausreichen“, erklärt Buchmann. Doch seine Hummeln sind sorgfältiger. „Die Erdbeere ist eine Sammelnussfrucht“, so der Drevenacker Landwirt. Die kleinen gelben Punkte sind die Nüsse. Wurden nicht alle von ihnen befruchtet, gibt das unansehnlich verwachsene Früchte. Das kann den Hummeln nicht passieren.

Je nach Größe des Volks, Buchmann rechnet mit 100 bis 200 Tieren, kostet so eine Hummel 25 bis 50 Cent. Natürlich gibt es Verhandlungsspielraum. Und damit die Tiere auch dann versorgt sind, wenn sich nur wenige Blüten öffnen, sind die Nester mit einer Zuckerlösung ausgestattet.

Warum Hummeln, fleißige Bienen täten es doch auch? Hummeln fliegen bereits ab acht Grad Temperatur, Bienen benötigen 15 Grad. Zudem sind Hummeln standorttreu – obwohl sie fortkönnten, bleiben sie wo sie sind. „Die sind relativ entspannt“, sagt Michael Nierkamp, der mit der Pflege der Pflanzen betraut ist. Ein leichtes Tippen an den Karton löst zorniges Brummen aus, auch schwirren ein paar Tiere aus. Sie beruhigen sich aber schnell, sind weniger gefährlich als Bienen. Beißen können sie schon, provoziert man die flauschigen Flieger zu sehr.

Zu tun gibt es für sie auf dem Schulte-Drevenackshof genug. Buchmann bevorzugt den geschützten Anbau unter Folie. Das macht ihn unabhängig von Regen und Frost, zudem kann er die Früchte risikofrei ausreifen lassen. Die üppigen Pflanzen der Sorte Clery stehen in einer Art Balkonkästen. Bloß, dass die 150 Meter lang sind, mit Pflanzenerde gefüllt , mit Folie abgedeckt und durch einen integrierten Wasserschlauch bewässert. Bis zum vergangenen Jahr standen die Erdbeerpflanzen auf einer Art Hügel wie Spargel. Das, erläutert Buchmann, sei aber sehr aufwendig. Um Krankheiten vorzubeugen, die bei 95 000 Pflanzen herbe wirtschaftliche Verluste erzeugen können, muss die Erde jährlich wechseln. „Das ist ähnlich beim Spargel. Die Pflanzen stehen zehn Jahre, danach darf 20 Jahre dort kein Spargel mehr angebaut werden.“ Bei Erdbeeren ist das Verhältnis eins zu drei. Doch Buchmann hat das Problem gelöst, als einer der ersten Betriebe in Deutschland. In den Rinnen wachsen die Pflanzen aus schwarzer Folie heraus. Es gibt kaum eine Chance für Krankheiten.