Von der Terrasse aufs Leben geblickt

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi

Dinslaken..  Es ist wieder die Stadtkirche. 1979 nahmen Rüdiger Dunkel und Ralf Veith im nächtlich stillen Gotteshaus als Mitglieder der Gruppe Mumpitz ihre erste Langspielplatte auf, Produzent war damals der langjährige NRZ-Fotograf Eduard Behrendt. Im November 2014 trafen sich die beiden Musiker - der eine inzwischen evangelischer Pfarrer in Bad Kreuznach, der andere Diplom-Psychologe und Keyboarder/Komponist bei Galahad, beim „Rendezvous nach Ladenschluss“ wieder. Rüdiger Dunkel las in der Stadtkirche aus „Verliebt in Taizé“, heitere Geschichten, die inzwischen als „Gedankenvolle Liebeleien, liebevolle Gedanken eines verliebten Jungen“ als Buch erschienen sind.

Auch einige seiner Lieder sang er bei dieser Gelegenheit, Ralf Veith begleitete ihn mehr oder weniger improvisiert auf der Gitarre. Am letzten Freitag begrüßten die beiden dann abermals alte Bekannte und interessierte Konzertgänger in der Barockkirche: zur Präsentation ihrer gemeinsamen CD „Seelenreise“. „Daraus kann man was machen“, befand Ralf Veith, als er die Lieder des Pfarrers spielte, der nur in Taizé auf der Terrasse seiner Gastfamilie schreiben und komponieren kann. 17 neu arrangierte Stücke spielten die beiden in Veiths Galahad & Motionmania Cellar Studios ein. Die CD erschien wie Dunkels Buch im Verlag Matthias Ess und ist beispielsweise über Amazon erhältlich.

Rüdiger Dunkels Lieder sind sehr persönlich. Gerade deshalb kann man sich in ihnen wiederfinden. Sie erzählen von Freundschaft und Liebe, vom Gott, der lächelt und darauf wartet, dass man dieses Lächeln erwidert, von Kindheitserinnerungen und von der Faszination der Stadt Berlin. Sie geben aber auch eine Ahnung von dunklen Stunden, einer Krise, die überwunden ist und die Lieder hervorbrachte, die von Hoffnung erzählen und Mut machen.

Das Titelstück „Seelenreise“ zeichnet dafür das deutlichste Bild. Mit einem Freund bestieg Dunkel das Matterhorn. Für den Neuling am Berg bedeutete dies die Erfahrung, sich von unnötigen Ballast zu trennen. An seine eigene Grenzen zu stoßen und es doch bis auf dem Gipfel zu schaffen. Und dann? „Umkehren, neu anfangen.“ „Hätte nie gedacht, dass ich wieder fühlen kann“, heißt es im Stück danach.

Die Botschaft von „Für mein Spiegelbild“ betrachtet das Gebot der christlichen Nächstenliebe einmal anders: „liebe dich selbst wie deinen Nächsten“. Auch „Sag nein“ und „Deine Zeit“ weisen in diese Richtung: Es ist wichtig, sich selbst wert zu schätzen, sich nicht zu verheizen.

Als zweite Zugabe hatte Rüdiger Dunkel dann noch eine Überraschung nicht nur für das Publikum, sondern auch für Ralf Veith parat: „Seifenblasen“ ein Lied, mit dem die musikalische Reise in der Stadtkirche vor 36 Jahren begann.

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