Von der Gesellschaft und der Liebe

Christa Jahnke-Horstmann las im Cafe Kostbar aus dem Buch „Die Verschwendung der Kindheit“ von Felix Berth.
Christa Jahnke-Horstmann las im Cafe Kostbar aus dem Buch „Die Verschwendung der Kindheit“ von Felix Berth.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Erste Beigeordnete der Stadt Dinslaken, Christa Jahnke-Horstmann, traf für ihre Lesung im Café Kostbar eine besondere Buchauswahl

Dinslaken..  Zur zweiten Veranstaltung von „Frauen, die lesen, sind…“ in Dinslaken durfte Gleichstellungsbeauftragte Karin Budahn-Diallo eine weitere stadtbekannte Frau begrüßen. Die Zahnarzthelferin, Juristin und Diplom-Soziologin Christa Jahnke-Horstmann, die in Dinslaken bei der Stadt als Erste Beigeordnete in Diensten ist, war zu Gast im „Café Kostbar“ an der Duisburger Straße.

Ihre Ämter sollten an diesem Abend eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr interessierte die rund zwei Dutzend Frauen, die zur Lesung gekommen waren, was Dezernentin Christa Jahnke-Horstmann ihnen vorzulesen hatte. „Es gibt kein Programm, keinen Rahmen“, sagte Karin Budahn-Diallo über die Veranstaltungsreihe. Vielmehr liegt es ganz an den Vorleserinnen selbst, was sie aus der ihnen gegebenen Zeit machen.

„Das ist schon eine ungewöhnliche Situation“, sagte Christa Jahnke-Horstmann schmunzelnd. Sie sei zwar selbst passionierte Leserin, doch in den letzten Jahren seien es vor allem Briefe des Städte- und Gemeindebundes oder Vermerke von Kollegen, die ihr Lesepensum bestimmten. Dennoch brachte sie ihrem Auditorium zwei Bücher mit, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Die Verschwendung der Kindheit: Wie Deutschland seinen Wohlstand verschleudert“ – ein Buch von Felix Barth lag ihr sehr am Herzen. Felix Barth beschreibt darin, wie einer zunehmenden Minderheit von Kindern durch ein schlechtes Elternhaus gesellschaftliche Teilhabe und ein sozialer Aufstieg verweigert werden. Bei der Lesung unterbrach Christa Jahnke-Horstmann immer wieder, um ihre eigenen Erfahrungen miteinfließen zu lassen und zu erklären, dass sich das Geschilderte auf die ganze Bundesrepublik beziehe – auch auf Dinslaken.

Soziale Gerechtigkeit

„Es hat mich sehr beeindruckt, weil es hier um ein Thema wie soziale Gerechtigkeit geht. Mit welchen Aussichten starten diese Kinder an der Schule? Was muss man tun, um die Chancen dieser Kinder zu verbessern?“, erläuterte Christa Jahnke-Horstmann die Beweggründe für die Wahl dieses Buch.

Das zweite Buch, das sie an diesem Abend mitgebracht hatte, war da quasi der Kontrapunkt zum ersten. „Djamila“ erzählt eine Liebesgeschichte, die der kirgisische Schriftsteller Tschingis Aitmatow 1958 als Abschlussarbeit am Maxim-Gorki-Literaturinstitut verfasst hatte.

Christa Jahnke-Horstmann nahm ihre Zuhörerinnen mit in die weiten Steppen und zerklüfteten Gebirgszüge Kirgisistans. Bilderreich ließ sie das einfache und harte Leben im Kolchos, das aber auch Raum für Schönheit und Romantik lässt, aufleben.

Nach der Lesung war Christa Jahnke-Horstmann über das still zuhörende Publikum ganz verwundert: „Zwischendurch trifft hier so eine Stille ein, dass man eine Stecknadel fallen hört.“ Und was, als die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Zuhörerschaft, könnte eine Vorleserin glücklicher machen?

Die Reihe „Frauen, die lesen, sind...“ wird fortgesetzt am Dienstag, 28. April, mit „Jess Geiger & Friends“. Start ist um 17.30 Uhr im Café „Kostbar“, Duisburger Straße 26, in Dinslaken.

Der Eintritt ist frei, zur besseren Planung wird aber um Anmeldung gebeten bei der Gleichstellungsstelle unter 02064/ 66-469 oder gleichstellungsstel-le@dinslaken.de.