Von Artenvielfalt und Bürokratie

Hünxe/Kreis Wesel..  Wer Wald besitzt, hat Verantwortung. Für die Sicherheit der Waldbesucher, für den Naturschutz und für die Biodiversität und mehr. Und er will ihn bewirtschaften. Mit Sorge betrachten die Waldbauern deshalb die Anforderungen, die von den verschiedensten Seiten an sie herangetragen werden, nicht zuletzt vom Gesetzgeber, aber auch von Naturschutzverbänden.

Reinhard Krebber, Vorsitzender der Kreisgruppe Wesel des Waldbauernverbands NRW, beschäftigt sich seit Monaten mit dem Thema Biodiversität, was soviel wie biologische Vielfalt heißt. „Wahrscheinlich sollen wir da auch noch umsonst aktiv werden“, so Krebber.

Zur Versammlung der Kreisgruppe in der Gaststätte Alt Peddenberg in Drevenack sollte Dr. Hans-Jürgen Schäfer vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW Licht in den Vorschriftendschungel bringen. Mancher Waldbesitzer blickt nicht mehr durch, was genau von ihm erwartet wird.

Ohnehin ist die Skepsis groß: Vertragsnaturschutz beispielsweise, das sind Maßnahmen, die Waldbauern gegen Fördermittel durchführen, hat in jüngster Zeit nicht funktioniert. Da war man sich einig geworden, und plötzlich standen die Gelder nicht bereit. Das, so der Vertreter von Wald und Holz, sei ein handwerklicher Fehler bei der EU gewesen, eine Förderrichtline für die Jahre 2014 bis 2020 fehle.

Hans-Jürgen Schäfer konnte die Wogen ein wenig glätten: Die Biodiversitätsstrategie von Land und Bund ist für Privatbesitzer und Kommunen derzeit Empfehlung, nicht Gesetz – anders als in den Staatsforsten. Und sie sei weitgehend unabhängig von politischen Mehrheiten: Seit 2007 hat sich die Strategie des Bundes, weitgehend vom Land übernommen, nicht verändert. Ohnehin sei die Biologische Vielfalt in den Wäldern am besten, anders als bei landwirtschaftlich genutzten Flächen. Ziel sei nicht die Aufgabe der Waldnutzung, sondern der gute Pflegezustand. Eichenwälder etwa könnten nur gut gedeihen, wenn sie gepflegt werden.

Ziel der Biodiversitätsstrategie sei es, fünf Prozent (rund 45 000 Hektar) des NRW-Waldes nicht mehr zu nutzen, einen Urwald zuzulassen. Landeseigene Wälder haben einen großen Teil der Stilllegungen übernommen, Privatbesitzer können das freiwillig tun, müssen aber nicht. Der Anteil der Mischwälder soll von 45 auf 50 Prozent steigen, reine Nadelholzbestände mittelfristig auf unter 20 Prozent gedrückt werden. Nadelhölzer, für viele Waldbesitzer wirtschaftlich attraktiv, sind nur noch zum Teil förderfähig: Für Douglasien, Küstentannen, Weißtannen und Lärchen gibt es noch Zuschüsse.