Vom Richterstuhl in den Ruhestand

Was wir bereits wissen
Statt Scheidungen im Gerichtssaal stehen nun Musik und Reisen auf dem Programm. Mit 63 Jahren tritt Familienrichter Reinhard Mersmann in den Ruhestand.

Dinslaken..  Vor ziemlich genau drei Jahrzehnten trat Richter Reinhard Mersmann seine Stelle am Amtsgericht Dinslaken an. Zuvor war er erst im Gerichtsbezirk Kleve im Einsatz und dann am Amtsgericht in Emmerich. Sein Wunsch allerdings schon damals: Ich möchte nach Dinslaken. „Zwei meiner Studienfreunde arbeiteten schon hier am Amtsgericht und ich wollte deshalb gerne dahin“, sagt der Familienrichter. Der Wunsch ging in Erfüllung und so trat Mersmann in der Abteilung für Zivilsachen seine Arbeit an.

„Zivilprozesse sind eigentlich eher unspektakulär im Vergleich zu Strafsachen“, erklärt der Jurist. Trotzdem sind ihm einige besonderer Fälle noch in Erinnerung. Beispielsweise der Fall eines Mannes, der in seinem Garten schon seit Jahren Gänse hielt. Als dann um sein Grundstück herum eine Wohnsiedlung entstand, waren die Tiere den neuen Nachbarn zu laut. „Da gab es einen Termin vor Ort, bei dem auch die Presse anwesend war. Das war sehr spannend“, erzählt er. Und auch der Fall des Dinslakener „Gasrebells“, der schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof landete, ist Reinhard Mersmann sehr gut in Erinnerung geblieben. „Das sind Fälle, die vergisst man nicht.“

Seit 2010 kümmerte sich der Richter vor allem um Familiensachen. Scheidungen und Unterhaltsdinge standen auf dem Plan. Privat trennte er sich in dieser Zeit von seiner Frau. „Kaum war ich am Familiengericht, schon ging die Ehe in die Brüche“, scherzt der Jurist heute. Genau wie sein Studienfreund und Kollege Strafrichter Jochen Hinninghofen, der ebenfalls in den Ruhestand geht (wir berichteten), hat er sich auch im Richteramt scheinbar seinen Humor bewahrt.

Seine Arbeitsstelle verlässt der Jurist mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Die Arbeit wird mir, denke ich, nicht besonders fehlen – aber meine Arbeitskollegen schon. Wir haben hier eine sehr schöne Arbeitsatmosphäre“, sagt Reinhard Mersmann. Den Kontakt zu seinen Kollegen will er auch im Ruhestand weiter pflegen. Ansonsten hat er nun mehr Zeit, sich seinen Hobbies zu widmen.

„Meine Leidenschaft ist die Musik. Ich habe schon immer gerne Rockkonzerte besucht“, erklärt Mersmann. Dafür hat er jetzt mehr Zeit als zuvor im Richteramt. „Außerdem werde ich ein bisschen mehr auf Reisen gehen, als in der Vergangenheit“, fügt er hinzu.