Voerde: Scharfe Kritik am Nein der Bahn

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Was wir bereits wissen
Unternehmen lehnt Videoüberwachung und akustisches Warnsignal ab. CDU und WGV wollen dran bleiben.

Voerde..  Das Antwortschreiben, mit dem die Deutsche Bahn negativ zu dem Ansinnen Stellung nimmt, die Bahnhöfe in Voerde und Friedrichsfeld mit einer aktiven Videoüberwachung auszustatten, will die Wählergemeinschaft (WGV) als Initiatorin der Forderung nicht auf sich beruhen lassen. Das Gleiche gilt für die CDU, die für den Haltepunkt Voerde auf eine gefährliche Situation für die Reisenden aufmerksam macht und darauf drängt, dass dort auf den „engen Bahnsteigen“ über der Steinstraße ein akustisches Signal vor durchfahrenden Zügen warnt. Auch das lehnt die Bahn ab.

Argument angeprangert

In seiner Antwort auf das entsprechende Schreiben der Stadt begründet das Verkehrsunternehmen seine ablehnende Haltung im Fall der Videoüberwachung damit, dass eine der gewichtigsten Voraussetzungen zur Installation für die beiden Bahnhöfe Voerde und Friedrichsfeld „nachweislich nicht“ zutreffe: der „belegte Übergriff auf Personen und ein überdurchschnittlich hoher Grad an Vandalismus“. Letzteren Punkt hatte WGV-Fraktionsvorsitzender Christian Garden am Dienstag im Haupt- und Finanzausschuss mit Verweis auf die Sprengung des Fahrkartenautomaten am Bahnhof Friedrichsfeld und den Abbau des Glaspavillons am Haltepunkt Voerde (Bahnsteig in Fahrtrichtung Wesel) angeprangert (die NRZ berichtete). Was das von der Bahn angeführte Argument betrifft, dass es in den vergangenen Jahren auf den Bahnanlagen „keine registrierten“ Übergriffe auf Personen gegeben habe, fragt sich Garden, ob denn erst „etwas passieren“ müsse.

Just diese Frage stellt sich auch für CDU-Ratsherr Bernd Altmeppen, wenn er den Standpunkt der Bahn zum Thema akustische Warnansagen liest. „Muss sich denn erst ein schwerer Unfall in Voerde ereignen, bis die Verantwortlichen aktiv und einsichtig werden?“ Das Verkehrsunternehmen zieht sich in seiner Begründung darauf zurück, dass die Reisenden an beiden Stationen durch einen Sicherheitsstreifen und diverse Warnschilder „visuell vor durchfahrenden Zügen gewarnt“ würden, und dass gemäß seines Regelwerkes darüber hinaus gehende Maßnahmen nicht gefordert seien. Jeder Reisende sei zudem aufgefordert, sich „aufmerksam und umsichtig auf den Bahnsteigen zu bewegen und zu verhalten“. Damit werde dem Sicherheitsgedanken „Hohn gesprochen“, kritisiert Altmeppen und hält dagegen: „Die Bahnsteige sind an vielen Stellen so eng, dass die Reisenden gezwungen sind, die weiße Warnlinie zu überschreiten, besonders im Berufsverkehr oder mit viel Gepäck.“ Der ICE rausche mit hohen Geschwindigkeiten heran und durch, auch die Güterzüge seien nicht ungefährlich. Dass sich Kinder und Jugendliche auf dem Bahnsteig stets umsichtig und aufmerksam verhielten, sei kaum anzunehmen, gibt Altmeppen zu bedenken und kritisiert, dass die Bahn allein wirtschaftlichen Argumenten folge. Eine solche Haltung spiegelt sich aus Sicht des CDU-Ratsherrn auch beim geplanten Betuwe-Ausbau wieder. Das Verkehrsunternehmen poche zudem auf sein „ganz offensichtlich veraltetes Regelwerk“. Dies hält Altmeppen für aberwitzig und kündigt für die CDU an, am Thema dran zu bleiben: „Wir werden weiter beißen.“

Die WGV, deren Fraktionschef die Verwaltung im Haupt- und Finanzausschuss aufgefordert hatte, das Antwortschreiben der Bahn nicht unkommentiert stehen zu lassen, will auch ihrerseits schriftlich Kontakt mit dem Unternehmen aufnehmen und „Druck machen“, wie Christian Garden gestern ankündigte. „Wir werden die Bahn nicht aus ihrer Verantwortung entlassen.“ So möchte die WGV das Unternehmen unter Beteiligung von Bürgern zu einem Ortstermin an die beiden Bahnhöfe einladen. Das Antwortschreiben der Bahn wertet Garden als den Versuch „nach Schema F“ erst einmal „abzuwiegeln“.