Voerde: Rotstift bedroht Karnevalszug

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Sollte der Stadtrat beschließen, den noch alle zwei Jahre gewährten Zuschuss zu streichen, sieht der 1. Voerder Karnevalsverein die Veranstaltung „massiv gefährdet“ .

Voerde..  Aschermittwoch ist alles vorbei – zumindest für den Hoppeditz. Der kann sich erstmal ein paar Monate schlafen legen, bevor er am 11.11. um 11 Uhr 11 zum Auftakt der tollen Tage wieder erwacht. Nicht so der 1. Voerder Karnevalsverein (VKV). Gerade ist der närrische Lindwurm 2015 Geschichte, schon geht es an die Vorbereitung des Karnevalszuges 2016. Im kommenden Jahr muss der VKV die Traditionsveranstaltung, die Sonntag etwa 40 000 Besucher anlockte, wieder ohne städtische Hilfe auf die Beine stellen.

Enormer Kraftakt

Alle zwei Jahre übernimmt die Stadt durch den Kommunalbetrieb Straßenreinigung und -absperrungen (Zuschuss: 12 000 Euro). Vor 2012 hatte die Kommune noch jedes Jahr ihren finanziellen Beitrag zum Karnevalszug geleistet, diesen dann aber aufgrund ihrer prekären Haushaltslage eingeschränkt. Nun droht die komplette Streichung, was bedeuten würde, dass der VKV ab 2017 jedes Jahr den Zug ohne dieses finanzielle Grundgerüst organisieren müsste. Schon das Fehlen alle zwei Jahre bedeutet für den Verein einen enormen Kraftakt: Insgesamt rund 25 000 Euro gilt es, für die Veranstaltung zu stemmen – eine Summe, die der VKV nur mit Hilfe von Sponsoren und Spenden zusammen bekommen kann.

Sollte der Rat Mitte Mai entscheiden, dass die Stadt keinen Zuschuss mehr gewährt, sieht der erste VKV-Vorsitzende Mark Sarres den Karnevalszug „massiv gefährdet“. Sollte dieser nur einmal ausfallen, ist Sarres überzeugt, dass dies das Ende für die Veranstaltung bedeutet – unter anderem, weil die Teilnehmer sich eine Alternative suchen würden. „Wir schauen sorgenvoll in die Zukunft“, sagt Holger Mrosek in Anbetracht des nun drohenden Streichszenarios. Der zweite VKV-Geschäftsführer verweist auf die Bedeutung des Zuges für Voerde („Das ist für mich ein Stück Stadtkultur.“) und auf dessen Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus: Voerde sei überregional durch den Karnevalszug und den Weihnachtsmarkt am Wasserschloss – auch hier steht die finanzielle Unterstützung der Stadt zur Disposition – bekannt. Der Zuschuss sei „gut investiertes Geld. Wir bieten den Menschen etwas“.

„Knochenharte Arbeit“

Dirk Grah (VKV-Marketing) findet es schlimm, dass „immer nur das Geld in den Fokus gerückt wird“ und nicht der geleistete Aufwand. Hinter dem Karnevalszug stecke „knochenharte Arbeit“, bestätigt Mrosek. Grah fragt sich, wie es zusammen passt, dass Ehrenamtlern in Voerde einerseits für deren Engagement laufend gedankt wird, andererseits aber alles gestrichen werden soll, was in dem Bereich „zu streichen ist“. Der VKV hofft nun mit Blick auf die Haushaltsberatungen, „dass die Politik die Wertigkeit des Ehrenamts noch einmal honorieren wird“, wie Mrosek es formuliert.