Voerde: Für Dirk Haarmann war es ein turbulentes erstes Jahr

Bürgermeister Dirk Haarmann
Bürgermeister Dirk Haarmann
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Einige heftige Turbulenzen hatte der Amtsinhaber schon zu bestehen: Der nicht genehmigte Sportpark-Planung, das Tauziehen um die Entwicklung der Innenstadt und die in finanzielle Schieflage geratene Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe.

Voerde..  Das erste Amtsjahr liegt hinter Dirk Haarmann – und das hielt für den neuen Bürgermeister einige heftige Turbulenzen bereit: nicht genehmigte Sportpark-Planung, Tauziehen um die Entwicklung der Innenstadt mit einer als Investorin auftretenden Gesellschaft, die entgegen den Vorstellungen der Stadt angeblich im Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz ein Wohnprojekt für Demenzerkrankte realisieren wollte und deren Geschäftsführer am Ende am Ende von der Bildfläche verschwand, und die in finanzielle Schieflage geratene Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe. Es sind dies nur einige der gewichtigen Themen, mit denen sich Haarmann gleich in den ersten Monaten seiner Zeit als neuer Chef im Voerder Rathaus auseinanderzusetzen hatte.

Viele dicke Bretter

Seine bislang schwerste Amtshandlung? Haarmann holt tief Luft. „Das kann man so nicht sagen.“ Es habe viele mit dicken Brettern versehene Themen gegeben. Der Bürgermeister nennt etwa den Sportpark und die Notwendigkeit, schnell zu entscheiden, wie auf die versagte Genehmigung durch die Bezirksregierung reagiert werden soll. Auch die Innenstadt-Problematik gehört für Haarmann zu den dicken Brettern. Die Kommune sei nicht Eigentümerin der Immobilie am Rathausplatz. Mit der jedoch ist ein Fortkommen der City unmittelbar verknüpft. „Wir müssen die Marktmechanismen ein Stück weit anerkennen“ – dies zu akzeptieren, falle schwer, resümiert Haarmann und betont: „Wir brauchen dringend eine Entwicklung hier.“ Ein „Kraftakt für alle Beteiligten“ sei die Sparkassen-Fusion gewesen, die viele Arbeitskapazitäten gebunden habe.

Die ersten zwölf Monate als Verwaltungschef bilanziert Haarmann folglich denn auch als „eine sehr intensive Zeit“, trotz rauer See kann er ihr viel Positives abgewinnen: „Es war sehr kurzweilig, spannend und interessant.“ Und die nächsten Jahre werden sicher nicht minder intensiv sein, stehen in Voerde neben den genannten doch noch viele weitere „Megathemen“ an, wie der Verwaltungschef es formuliert. Neben dem städtischen Haushalt oder Betuwe ist die Asylfrage ein zentraler Punkt. „Es ist ungewiss, was da noch kommen wird“, erklärt Dirk Haarmann mit Blick auf die Zuweisung von Flüchtlingen. Die Schwierigkeit für die Stadt liege darin, dass sie „zeitnah“ reagieren können muss. „Das erfordert eine sehr, sehr hohe Flexibilität.“ Auch der Deichbau in Götterswickerhamm, der nach der vorgelegten Planung eine hohe, das Ortsbild massiv verändernde Mauer beinhaltet, ist für den Bürgermeister ein Megathema. Die Stadt habe ein hohes Interesse daran, dass eine „dorf- und tourismusverträgliche Lösung“ gefunden werde, betont er.

Gutes Zeugnis für die Verwaltung

Der Verwaltung stellt der Bürgermeister ein gutes Zeugnis aus: Haarmann hat im Rathaus eine hohe Flexibilität und hohe Bereitschaft festgestellt, sich auf Kernthemen einzulassen. Zudem hat er eine hohe Verbundenheit der Belegschaft zu Voerde wahrgenommen – was er auch damit erklärt, dass viele in der Stadt wohnen, in der sie arbeiten. Auch bescheinigt der Chef seiner Verwaltung einen hohen Dienstleistungsanspruch sowie eine große Affinität, die ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen.

Dass es in der Verwaltung gleichwohl noch Optimierungspotenzial gibt, verhehlt Haarmann nicht. So sieht er sein Haus im Bereich Controlling „noch nicht so gut aufgestellt“. Der Verwaltungschef strebt beim Haushalt an, dass die Wirkungen von Leistungen, die die Stadt erbringt, abgebildet werden. Da geht es etwa um die Hilfen zur Erziehung oder die Kundenzufriedenheit bei den Nutzern städtischer Einrichtungen wie Bäder oder Bürgerbüro. Die Frage am Ende ist: Ist die Stadt mit dem, was sie tut, richtig unterwegs, werden die Zielsetzungen erreicht?

Auch sieht Haarmann die Verwaltung vor der Aufgabe, beim Bürgerservice den sich wandelnden Anforderungen zu begegnen. Der Bürgermeister spricht von der zunehmenden Digitalisierung. So verzeichnet die Stadt hohe Zugangszahlen auf ihre Internetseite. Im Rathaus gibt es Überlegungen, ein „digital unterstütztes Beschwerdemanagement“, das im Amt 10 eine Anlaufstelle hat, als Portal im Internet einzurichten.

Hinter einen anderen Punkt setzt Haarmann ein dickes Fragezeichen: die zehn Prozent Einsparungen, die CDU und Wählergemeinschaft (WGV) in einem Antrag für den Personalbereich gefordert und nach hitziger Debatte im Stadtrat zurück gezogen haben (die NRZ berichtete). Der Verwaltungschef ist froh, dass nun die umgekehrte Herangehensweise angewandt werden soll. So hatte er vorgeschlagen, sich zunächst Leistung für Leistung vorzunehmen, dabei zu schauen, welche Potenziale es gibt und dann zu Zielgrößen zu kommen. Haarmann gibt zu bedenken, dass „schon etliche Stellen abgebaut“ wurden und die Personalressourcen knapp seien. Die Belegschaft sei ob der Debatte um eine zehnprozentige Senkung der Personalkosten „sehr verunsichert“. Haarmann mahnt, dass zur Personalentwicklung auch die Personalerhaltung gehört, und es in solchen Situationen gerade die Leistungsträger seien, die sich fragen, ob sie etwas anderes finden. Noch dazu komme die demographische Entwicklung: Da sei zum einen der sehr hohe Altersdurchschnitt in der Verwaltung, der mit einem großen Wissensschatz, aber auch mit einer hohen Quote derer verbunden ist, die in den Ruhestand ausscheiden. Auf der anderen Seite gehen heute „weniger Bewerbungen als früher“ bei der Verwaltung ein. „Der Kampf um gute Mitarbeiter wird größer“, weist Dirk Haarmann auf die zunehmende Konkurrenzsituation im öffentlichen Dienst hin.