Voerde: Ein privates Bollwerk gegen den Bahnlärm

Henning Kapp, Joachim Hansen und Günter Grüter (v.l.) stellten den Stand der Dinge beim Bau des Lärmschutzwalls  in Voerde vor.
Henning Kapp, Joachim Hansen und Günter Grüter (v.l.) stellten den Stand der Dinge beim Bau des Lärmschutzwalls in Voerde vor.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
2016 soll der Schutzwall, den Anlieger der Betuwe-Linie in Voerde bauen, fertig gestellt sein. 35 000 Kubikmeter Erdmaterial werden verarbeitet.

Voerde..  „Wall Street“ steht auf dem kleinen Schild, das am Bauzaun befestigt ist. Was in New York das Finanzviertel mit Sitz der Börse bezeichnet, steht in Voerde, wenige Meter vom Bahnübergang Grenzstraße entfernt, für ein privat initiiertes Lärmschutzprojekt: Die „Wall Street“ benennt hier die Baustraße, auf der Lastwagen Massen von Erdmaterial transportieren, das parallel zu den Bahngleisen zu einem Wall aufgetürmt wird. Eine Ahnung davon, wie hoch das Bauwerk einmal werden wird, lässt sich auf Höhe des Grundstücks der Familie Grüter bekommen. Vier Meter misst der Wall im Moment an der höchsten Stelle. „Da kommen dann noch einmal drei Meter dazu“, erklärt Joachim Hansen, Geschäftsführer der Firma Langenfurth Umwelt GmbH.

Das in Spellen ansässige Unternehmen liefert für den Lärmschutzwall die „geeigneten Massen“, die von den Baustellen stammen, auf denen es arbeitet. Ein Teil der Kosten für das Projekt ist über die Kippgebühren gedeckt, die für die Firma nicht anfallen. Die sind bei der Entsorgung von Boden aus Baustellen zu zahlen.

Die Kosten, die die Anlieger für ihr Projekt tragen müssen, belaufen sich auf eine fünfstellige Summe, die sich knapp im unteren Drittel bewegt. 20 Haushalte beteiligen sich an der Finanzierung des Walls, ohne den sie keinen Lärmschutz hätten. Die Bahn will im Zuge des Betuwe-Ausbaus nur auf der anderen Seite der Trasse eine Lärmschutzwand errichten und begründet dies damit, dass im östlichen Bereich zu wenige Menschen wohnen und der Bau einer Lärmschutzwand daher dort unwirtschaftlich sei.

Weil das Erdmaterial, das die Firma Langenfurth aus ihren Baustellen liefert, eine bestimmte Beschaffenheit haben muss, ist die Bauzeit auf drei Jahre ausgelegt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir vor dem Bau des dritten Gleises fertig sind“, sagt Henning Kapp, Anwohner der Grenzstraße, lachend. Der Lärmschutzwall entsteht auf einer Länge von etwa 600 Metern, beginnt aus Fahrtrichtung Voerde betrachtet etwa in Höhe der Straße „Im Hörsken“ und wird am Bahnübergang Grenzstraße auf rund 80 Metern unterbrochen. Die Anwohner hoffen, dass die Bahn diese Lücke mit einer Lärmschutzwand schließen wird, und hat diesen Aspekt als Einwand im Planfeststellungsverfahren vorgebracht. Der Bahnübergang an der Grenzstraße soll mit dem Betuwe-Ausbau entfallen und durch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer ersetzt werden.

35 000 Kubikmeter Erdmaterial werden für das Bollwerk gegen den Bahnlärm verarbeitet. Das entspreche 3000 Lkw-Ladungen, erläutert Joachim Hansen. 2014 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, 2016 soll der Lärmschutzwall fertig sein. Henning Kapp sieht die Baumaßnahme auf einem guten Weg: „Bis jetzt sind wir im dunkelgrünen Bereich.“ Zehn Dezibel würden durch den Lärmschutzwall, der an der höchsten Stelle 7,50 Meter misst, „gespart“, betont er, was für das Ohr eine Halbierung des wahrgenommenen Lärms bedeute. Kapp kann es nicht abwarten, dass der Wall fertig wird. „Die Situation ist schon heute unerträglich“, berichtet der Bahnanlieger, dessen Haus nur wenige Meter von den Gleisen entfernt liegt. Neben dem Lärmschutz hat der Wall aus seiner Sicht noch einen anderen Vorteil. So verhehlt Kapp angesichts der auf den Gleisen laufenden Gefahrguttransporte nicht, froh zu sein, hinter vielen Kubikmetern „zu sitzen“.

Für den Bau des Lärmschutzwalls landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung zu stellen, tue natürlich weh, räumt er ein. „Ich bin aber überzeugt, dass das in der Abwägung der bessere Weg ist.“ Ungerecht findet Kapp aber nach wie vor, „dass die Bahn als Wirtschaftsunternehmen Anwohner belastet und ihrer Verantwortung gegenüber den Betroffenen nicht gerecht wird“.