Voerde: Ehrliche Technik ohne Schickschnack

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Beim 25-jährigen Jubiläumsfest der Friedrichsfelder Oldtimerfreunde gab es viele alte Fahrzeuge zu sehen. Vorher gingen die Mitglieder mit ihren Wagen auf eine Rundfahrt.

Voerde..  Laut hupend passierte ein alter Chevrolet die Einfahrt auf dem Gelände des SV 08/29 Friedrichsfeld. „Was für ein Klang - warum hat der mich nicht mitgenommen?“, scherzte eine ältere Friedrichsfelderin. Sie genoss wie viele Besucher bei strahlendem Sonnenschein, Kaffee und Kuchen oder einem Gläschen vom Bierstand plus Live-Musik die Rückkehr der Oldtimer - ob Porsche 91, Mini-Cooper oder ein Ford Thunderbird. „Der Sound ist super - und es ist ehrliche Technik ohne Schnickschnack“, meinte dessen Besitzer Andreas Mölleken aus Dinslaken.

Am Morgen hatte der frühere Voerder Bürgermeister und SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Ulrich Krüger bei Regen gut zwanzig Fahrzeuge auf die Reise geschickt. „Wir haben mit mehr gerechnet, aber das war halt das Wetter“, waren Robert Zielenbach und Michael Loosen als Organisatoren und Gründer der Friedrichsfelder Oldtimerfreunde mit der Resonanz zufrieden.

Und sie erinnerten sich gern an die Gründung des Vereins. „Das war eine Schnapsidee - ich hab ein GoGo-Mobil 1989/90 mit ein paar Leuten restauriert“, blickte Loossen zurück. „Der war am 17. April 1990 fertig, ich hab hierher alle Helfer eingeladen und der Wagen stand im Keller. Den haben wir zu viert da reingeschleppt“.

Daraus entstand dann die Idee für den Verein und die Planung der ersten Ausfahrt 1991. Die 25. Jubiläumsausgabe soll ihre Letzte sein. „Wir wollen jetzt die Verantwortung hierfür gerne in jüngere Hände legen“, kündigten beide an - wenn sich dafür jemand findet.

Die Fahrer durften bei der Ausfahrt von Friedrichsfeld über Wesel, Drevenack, Gahlen, Dorsten, die Schwarze Heide, Dinslaken und Hünxe zurück zum Friedrichsfelder Gymnasium und bis auf den Platz einige Aufgaben lösen.

Einer der Kontrolleure in Dorsten war der Voerder Ludwig Roeloffzen, der mit seiner Frau Susanne Panz und Tochter Jennifer im passenden 60er-Jahre-Look und der entsprechenden Karosserie auf das Grün fuhr. „Das ist ein Opel Rekord P 2 Cabrio, von dem wurden weltweit nur zwanzig gebaut, geben soll es davon nur noch sechs oder sieben. Und er ist im Originalzustand“, berichtete Roeloffzen.

Gekauft hatte ihn der gelernte Maschinenschlosser 1990, als er bei seiner neuen Firma den Wagen auf dem Parkplatz stehen sah. „Den hab ich dann drei Jahre lang bequatscht, bis er endlich nachgegeben hat. Und der freut sich bis heute, dass er ihn an mich weitergegeben hat.“ Von Kindheit an hatte er sich für alte Technik interessiert „und immer gesagt, irgendwann kauf ich mir einen Oldtimer.“

Seitdem ist er mit dem Wagen 100 000 Kilometer gefahren - auf Urlaubsfahrten quer durch Deutschland und auch so. „Er wird bewegt, der soll sich nicht totstehen. Und er schafft noch 140“, sagt der 52-jährige. Die Familie ist eine der wenigen, die sich mit ihrem Outfit so konsequent in die damalige Zeit zurückversetzt. „Wir leben das halt“, meint Susanne Panz.

Verkaufen werden soll er den Wagen nie. „Das ist wie ein Familienmitglied“, sagt seine Frau. Tochter Jenny soll ihn erben und sagt: „Ich möchte das nicht miterleben, dass den jemand anders fährt.“ Das Fahrzeug sorgte für strahlende Gesichter - wie bei Sven Riepe aus Dinslaken. „Einen Opel in diesem Zustand zu sehen, ist einfach toll - der hat Wiedererkennungswert und Charakter.“