Voerde: Die letzte Fahrt der Rheinfähre

Blick von Mehrum aus nach Rheinberg auf der anderen Seite des Rheins. Früher brachte die Fähre Personen, Tiere und Waren von einem Ufer des Flusses ans andere.
Blick von Mehrum aus nach Rheinberg auf der anderen Seite des Rheins. Früher brachte die Fähre Personen, Tiere und Waren von einem Ufer des Flusses ans andere.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Kurz vor Palmsonntag 1952 setzte ein Unglück dem Fährbetrieb im Rheindorf Mehrum ein Ende.

Voerde..  Wann genau das Unglück geschah, lässt sich spontan nicht sagen. In einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1954 erinnert sich Augenzeuge August Thelen daran, dass es kurz vor dem Palmsonntag des Jahres 1952 war. Wilhelm Hüser aus Mehrum kann sich heute noch an den damals 72-Jährigen erinnern. „Er lebte im alten Fährhaus, das wir in Mehrum Villa Niedlich nannten, und das von außen grün-weiß angestrichen war“, berichtet Hüser. An dem Schicksalstag war der damalige Fährmann, Dietrich Evers, in der Villa Niedlich zu Gast. Ein Mädchen, nach Thelens Erinnerung eine junge Zahnarzthelferin, kam zu der ehemaligen Fährhütte und wollte – trotz stürmischen Wetters – unbedingt über den Rhein gebracht werden. Ein Plan, von dem sie sich nicht abbringen ließ, obwohl der Schiffsführer ihr anbot, etwaige Besorgungen auf der anderen Rheinseite für sie zu erledigen.

So machte sich der Fährmann mit dem Mädchen auf den Weg über den Fluss. Der körperlich behinderte Steuermann der Fähre hatte mit den Wellen bei stürmischem Wetter zu kämpfen. „Wenn der Wind richtig stand, hatte er ein kleines Segel dabei, um die Fähre über den Fluss zu steuern“, erinnert sich Wilhelm Hüser. „Aber ansonsten war das Rudern harte Arbeit.“ Sicherlich eine Belastung, gerade bei einem Sturm. Doch zusätzlich, so berichtete 1954 August Thelen, sei ihm auch noch seine junge Passagierin aus Angst vor dem Unwetter in die Arme gefallen. Ein Ruder brach und die Fähre trieb auf einen so genannten Schleppzug zu. „Das waren mehrere mit Seilen verbundene Lastenkähne, die von einem einzelnen Schiff gezogen wurden“, erklärt Wilhelm Hüser.

Die Seile zwischen den Lastenkähnen erschlafften während der Fahrt, um sich dann wieder ruckartig anzuspannen. „Ich nehme an, dieses Anspannen hat die Rheinfähre damals zum Kentern gebracht“, sagt Hüser. Der Fährmann konnte sich noch am Seil festhalten und wurde schließlich von der Crew des Schleppzugs gerettet. Seine Passagierin verschwand dagegen in den Fluten. Erst später fand man ihren toten Körper. Es war die letzte Fahrt der Mehrumer Fähre. „Der Fährmann wurde schließlich vor Gericht gestellt, aber man hat ihn freigesprochen“, berichtet Wilhelm Hüser.

Der Fährbetrieb auf die andere Rheinseite wurde allerdings nicht wieder aufgenommen. „Man hätte wohl eine Fähre mit Motor anschaffen müssen, aber dafür fehlte das Geld“, erklärt Wilhelm Hüser. So war das Unglück in der Fastenzeit 1952 das Ende der Fähre von Mehrum.

Die Geschichte der Fähre

Helmut Schmitz, der ehemalige langjährige Vorsitzende des Voerder Heimatvereins, hat für das Jahrbuch des Kreises Wesel 2014 die Geschichte der Mehrumer Fähre ausführlich recherchiert.

Aus den Recherchen von Helmut Schmitz geht hervor, dass es schon ab 1664 einen stetigen Fährverkehr zwischen dem Rheindorf auf der einen und Rheinberg auf der anderen Seite des Flusses gab.