Voerde: Den Knochen zulieben

Mit Gymnastik gegen die Osteoporose. Eine Selbsthilfegruppe bietet in Voerde regelmäßig Übungen an.
Mit Gymnastik gegen die Osteoporose. Eine Selbsthilfegruppe bietet in Voerde regelmäßig Übungen an.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Die Voerder Osteoporose-Selbsthilfegruppe bietet mittwochs für ihre Mitglieder eine spezielle Gymnastik an. Übungsleiterin Ulrike Wiedemann hofft, dass sich ihr mehr Betroffene anschließen.

Voerde..  An diesem Morgen wird mit dem Hula-Hoop-Reifen trainiert. Ulrike Wiedemann hält das Sportgerät, das vielfältig einsetzbar ist, vor sich in die Höhe, abwechselnd bewegt sie beide Arme auseinander und dann wieder zusammen. Mehrfach. Auch auf dem Boden liegend bietet sich der Reifen für vielerlei Übungen an. Der Fuß geht seitlich in den Kreis und wieder hinaus, später folgt eine ähnliche Übung mit der Hacke. Die Frauen, die an diesem Mittwochmorgen im Stuhlkreis sitzend die Übungen nachmachen, eint eines: Sie haben Osteoporose. Bei dieser Krankheit – im Volksmund häufig auch Knochenschwund genannt – verringert sich die Knochenmasse, wird die Struktur porös und verliert der Knochen an Stabilität . Die Folge sind schmerzhafte Knochenbrüche und Wirbelkörpereinbrüche, wie es der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose in einer Infobroschüre beschreibt.

Vor 15 Jahren ins Leben gerufen

Auch in Voerde gibt es seit vielen Jahren eine Selbsthilfegruppe. Ulrike Wiedemann, Übungsleiterin für Rehasport und Prävention sowie Entspannungspädagogin, hat sie vor 15 Jahren ins Leben gerufen. Zunächst lief diese als angegliederte Untergruppe, ein halbes Jahr danach bereits folgte die Eigenständigkeit. Trainiert wird mittwochs im Raum des 1. Voerder Tanzsportclubs Rot-Weiß. Vor fünf, sechs Jahren zählte die Osteoporose-Selbsthilfegruppe noch mehr als 50 Mitglieder, heute sind es etwas mehr als 30. Wiedemann hofft, dass sich wieder mehr Betroffene der Gruppe anschließen. Auch Männer waren früher dabei, zurzeit sind es allein Frauen – zwischen 60 und 90 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt liegt bei 75 Jahren. Osteoporose betrifft laut Bundesselbsthilfeverband schon lange nicht mehr nur Menschen in der zweiten Lebenshälfte oder ausschließlich Frauen, sondern zunehmend auch Jüngere und Männer.

Die Selbsthilfegruppe bietet den Mitgliedern eine Funktionsgymnastik an. Liegt darüber eine Verordnung des Arztes vor, rechnet sie über die Krankenkasse ab. Zahlt diese nicht mehr, haben die Mitglieder die Möglichkeit, als Selbstzahler weiter teilzunehmen – für 26 Euro im Quartal, wie Ulrike Wiedemann erklärt. Die 58-jährige Voerderin hat für die Kurse beim Bundesselbsthilfeverband eine spezielle Ausbildung gemacht, die sie alle vier Jahre auffrischen muss. Bei den Übungen geht es darum, die Muskulatur zu kräftigen und etwas für das Gleichgewicht zu tun, damit die Betroffenen nicht sofort stolpern und sich in der Folge etwas brechen. „Die richtige Bewegung ist wichtig“, betont Ulrike Wiedemann. So berichtet sie von einer Patientin, die mehrere Wirbelbrüche erlitten hatte und sich durch die Gymnastik wieder aufbaute, deren Knochendichte sich verbesserte. Nicht nur körperlich hat Bewegung eine positive Wirkung: „Wenn die Betroffenen etwas tun, geben sie sich nicht auf“, sagt Ulrike Wiedemann.

Über die Gymnastik hinaus bietet die Selbsthilfegruppe auch Informationen über die Krankheit. So wird einmal im Jahr eine Osteoporose-Klinik besucht – meist verbunden mit einem Arztvortrag. Zudem arbeitet die Gruppe mit einer Schmerztherapeutin zusammen, auch Ernährungsberaterinnen waren zu Besuch. Die Geselligkeit kommt ebenfalls nicht zu kurz: Alle drei Monate treffen sich alle Gruppen am ersten Mittwoch nach der gemeinsamen Gymnastik zum Kaffeetrinken, auch gibt es eine Weihnachtsfeier und ein Grillfest.