Verärgerung an der Südstraße
03.08.2010 | 23:00 Uhr 2010-08-03T23:00:00+0200
Dinslaken. Es scheint ein Interessenkonflikt zu sein, wie er typisch ist zwischen Anwohnern und städtischen Straßenbauern. Ein Kompromiss, geschweige denn eine Lösung, ist nicht in Sicht: Anlieger der Südstraße beschweren sich über das hohe Verkehrsaufkommen in der Zone-30-Straße.
Das Amt für Hoch- und Tiefbau der Stadt erachtet es jedoch zumindest momentan nicht als notwendig, mit baulichen Maßnahmen in das Verkehrsgeschehen einzugreifen.
Rudolf Metken hat vor rund drei Wochen ein Beschwerdeschreiben samt Unterschriftenliste an das Servicebüro der Stadt sowie an die Kreispolizeibehörde Wesel geschickt. „Die Leute brettern hier durch wie die Verrückten. Niemand hält sich an das Tempolimit“, so der Anwohner aufgebracht.
Seit die Südstraße vor gut einem Jahr eine neue Asphaltdecke und Gehwege bekam, sei sie von ortskundigen Pendlern genutzt worden, um den Rückstau an der Ampel Brinkstraße zu umgehen, erzählt Heidi Ochtrop, die seit mehr als zehn Jahren an der Südstraße im Averbruch lebt. Seit nun an der Brinkstraße, die normalerweise als Autobahnzubringer dient, gebaut werde, „ist die Situation hier in den Stoßzeiten unerträglich“, entrüstet sie sich. Von der Stadt fühlen sich die Anwohner nicht ernst genommen.
Schon als der Ausbau der Südstraße geplant wurde, hätten sie vorgeschlagen, mit Pollern aus der Straße eine Sackgasse zu machen, erzählt Ochtrop. Das hätte den Autobahnverkehr ferngehalten. Die Politik sprach sich damals im Bauausschuss gegen die Lösung aus.
Für Petra Payenberg eine unhaltbare Entscheidung. Für sie und ihren Sohn wurde der Verkehr schon regelrecht lebensgefährlich: „Wenn zu viel los ist, weichen die Fahrer auch schon mal auf die flachen Bürgersteige aus. Ich konnte gerade noch meinen Sohn in den Vorgarten ziehen, sonst hätten die ihn überfahren.“
Die Stadt weist die Verantwortung für die Situation von sich: „Wir können doch unsere Straßenplanung nicht nur danach ausrichten, dass wir das Fehlverhalten einzelner Verkehrsteilnehmer ausgleichen“, sagt Stadtsprecher Thomas Pieperhoff. Im Planungsverfahren sei keine Notwendigkeit gesehen worden, „in den Abfluss des Stadtverkehrs einzugreifen.“ Zumindest solange nun in der Brinkstraße gebaut werde, werde es keine erneute Prüfung geben. „Das würde das Bild vollkommen verzerren“, so Pieperhoff. Auschließen wolle er jedoch nicht, dass die Stadt zu einem späteren Zeitpunkt erneut abwägen werde, ob das Interesse der Anwohner nicht doch höher zu werten sei.
Deren Entrüstung richtet sich auch gegen die Polizei. Vermehrte Tempokontrollen würden die rasenden Pendler abschrecken, glaubt Metken. Bisher habe er jedoch nur einmal zur Mittagszeit Verkehrspolizisten bemerkt. „Wir nehmen solche Hinweise sehr ernst“, widerspricht Sabine Vetter, Pressesprecherin der Polizei in Wesel. Ein Bezirksbeamter habe sich vor Ort umgesehen und Beschwerdeführer Metken kontaktiert. Außerdem habe sich die Polizeibehörde mit der Stadt in Verbindung gesetzt. Streifenbeamte seien angewiesen worden, den Südstraßen-Verkehr verstärkt zu beobachten und, wenn möglich, zu kontrollieren. „Wichtige Einsätze gehen aber nun einmal vor“, bittet Vetter um Verständnis.
Bisher, so scheint es, fällt es den betroffenen Anwohnern jedoch schwer, Verständnis aufzubringen, sowohl für Stadt und Politik als auch für die Polizei.
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