Unbekannter zieht Betrunkenen in letzter Sekunde vom Gleis

Kurz bevor ein ICE durch den Bahnhof fuhr, konnte sich der Retter vom Bahnhof in Voerde in Sicherheit bringen.
Kurz bevor ein ICE durch den Bahnhof fuhr, konnte sich der Retter vom Bahnhof in Voerde in Sicherheit bringen.
Foto: dpa/Archiv
Was wir bereits wissen
Das Ehepaar Schwarz wurde Zeuge, wie ein junger Mann einen Angetrunkenen in Voerde von den Gleisen holte und dabei selbst sein Leben riskierte.

Voerde.. Petra und Friedhelm Schwarz haben immer noch weiche Knie, wenn sie an den Silvesterabend denken: Sie wurden Zeugen einer dramatischen Rettung buchstäblich in letzter Sekunde. Sie sahen, wie ein offensichtlich angetrunkener junger Mann im Voerder Bahnhof auf das Gleisbett fiel und von einem Wartenden auf den Bahnsteig gehievt wurde – unmittelbar, bevor ein ICE durch den Bahnhof rauschte.

Das Ehepaar ist immer noch geschockt: „Wir, mein Mann und ich, haben das starke Bedürfnis, einem so außergewöhnlich mutigen Mann unsere tiefe Dankbarkeit auszusprechen.“

Mann wollte Knallkörper vom Gleis holen

Um 19.18 Uhr wollte das Ehepaar mit dem Regionalexpress nach Duisburg fahren. Etwa 15 Personen befanden sich auf dem Bahnsteig, darunter eine Gruppe junger Leute Anfang 20. Ob der Angetrunkene auch dazu gehörte, können die beiden nicht sagen.

Was dann passierte, schildert Petra Schwarz so:

„Plötzlich fielen zwei kleine Knallkörper auf die Gleise, von denen einer explodierte und der andere vor sich hin sprühte, aber mit Hinblick auf ein baldiges Ausglühen nicht wirklich störte. Genau das sah ein sichtlich betrunkener, junger Mann wohl anders. Er sprang auf die Gleise, um den immer noch sprühenden Knallkörper auszutreten und als das nicht gelang, ihn aufzuheben.

Die Blicke der Wartenden richteten sich sofort suchend in Richtung Horizont besonders Richtung Wesel und hielten Ausschau nach Lichtern, die den zu erwartenden Zug ankündigen. Aber es war zum Glück noch nichts zu sehen. Nach allgemeinem Missmut und einiger Zurufe Umherstehender verließ der taumelnde Feierwütige die gefährliche Zone und schien in Sicherheit.

Mit einem Ruck auf den Bahnsteig

Ach wie gut, in der Ferne waren ja auch schon endlich die Lichter des Regio zu sehen. Gleich wird der Zug hier stehen und wir können einsteigen, dachte ich noch, als im selben Moment der schon erwähnte Jugendliche sich erneut auf den Gleisen befand. Nur mit dem Unterschied, dass er dieses Mal nicht sprang, sondern rücklings fiel. Und dann ging alles rasend schnell.

Ich sah einen blitzschnellen, flinken, relativ schmal gebauten jungen Mann, der beherzt auf die Gleise sprang und mit wohl ungeahnten Bärenkräften den total hilflos und desorientiert Liegenden mit einem Ruck auf den Bahnsteig schmiss, so dass ich nur noch jemanden ‘hochfliegen’ sah. Am Bahnsteig stand ein zweiter junger Helfer, der den zu Rettenden entgegen nahm und hochzog. Erst als er das Leben des Gefallenen in Sicherheit sah, sprang der Lebensretter in letzter Sekunde auf den Bahnsteig. In dem Moment, als er sein Bein hochzog, krachte der ICE an uns vorbei.“

Wer ist der mutige Retter?

Die Augenzeugen waren geschockt, berichtet das Ehepaar Schwarz – auch der gerettete Mann. Aschfahl sei er gewesen, so das Ehepaar, das den jungen Mann aufgeregt fragte: „Weißt du eigentlich, dass er dir das Leben gerettet hat?“ Der Retter habe habe ungläubig: „Ey, was geht denn hier ab?“ gerufen. Dann kam der Regionalexpress, alle Wartenden stiegen ein und das Ehepaar Schwarz verlor die Personen aus den Augen.

Die Voerder wollen die Sache aber nicht einfach als selbstverständlich hinnehmen und dem mutigen Retter einen großen Dank und Hochachtung aussprechen. „Der Mann muss gefeiert werden“, findet Petra Schwarz. Doch leider kennen sie keine Namen.