Trabrennbahn, aus Künstlersicht

Eine etwas andere Führung rund um die Trabrennbahn unter der Leitung von Lutz Fritsch (3.v.r.).
Eine etwas andere Führung rund um die Trabrennbahn unter der Leitung von Lutz Fritsch (3.v.r.).
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Was wir bereits wissen
Urbane Künste Ruhr und Dinslakener Bürger suchen Ideen zum Erhalt des weiten Runds – als Rennbahn.

Dinslaken..  Vor dem ehemaligen Ladenlokal des Bekleidungsgeschäftes „Miss Sugar“ hat sich eine kleine Gruppe eingefunden. Etwa ein halbes Dutzend interessierter Menschen möchte mit Künstler Lutz Fritsch „eine Runde drehen“. Und zwar zum bekanntesten Rund der Stadt, neben dem Burgtheater: der Trabrennbahn. Doch zuerst geht es mit dem Künstler aus Köln, der durch seine Skulptur „Rheinorange“ an der Mündung der Ruhr in den Rhein bekannt ist, ins Innere des Reisezentrums. Denn das ehemalige Ladenlokal hat Künstlerin Nicola Schudy zu einer begehbaren Skulptur umgestaltet. Im hinteren Teil des Raumes löst sich dieser quasi auf: Die Einrichtung ist nur noch in Resten vorhanden. Vielleicht ist das als Bild des Umgangs eines Künstlers mit dem Raum zu sehen: kreative Dekonstruktion aus der etwas Neues entsteht.

„Eine andere Welt“

Dann geht es mit der Reisegruppe auf zur Trabrennbahn. Aber warum gerade dieses Reiseziel? „Als ich die Trabrennbahn zum ersten Mal besucht habe, hat sie mich sofort fasziniert“, erklärt Lutz Fritsch. Warum, kann der Künstler nur schwer in Worte fassen. „Das muss man selbst erlebt haben.“ Und kaum ist die Gruppe angekommen, zeigt der Künstler seinen Mitreisenden, was ihn als erstes fasziniert hat. „Man betritt hier eine andere Welt“, sagt er. „Raus aus dem bebauten, urbanisierten Raum der Stadt und rein in eine weite, freie Fläche.“ Dann gibt er seinen Begleitern eine kleine Einführung in die Geschichte des Pferdewagensports. Von den Etruskern über die Griechen bis zu den Römern erfreuten sich die besonderen Wagenrennen großer Beliebtheit. Ein detaillierter Blick auf den Circus Maximus, die prunkvolle Rennstrecke im Herzen des römischen Imperiums, zeigt die Unterschiede zwischen dem antiken Tempel des Pferdewagenrennsports und der Trabrennbahn auf. „Das hier ist alles recht funktionell gebaut. Der Trabrennsport ist ja, wenn ich das richtig verstehe, auch eher der Sport der kleinen Leute“, erklärt Lutz Fritsch.

Dann bekommt die Reisegruppe einen weiteren fachkundigen Begleiter: Theo Lettgen, Vorsitzender des Dinslakener Trabrennsportvereins und damit Herr der Rennbahn, lädt die Besucher zu einer Kutschfahrt über das Gelände ein. Es geht vorbei an den Stallungen und über das Aufwärmgelände für die Pferde zurück auf die Bahn. Dann können die Besucher die Gebäude erkunden und bekommen Informationen zu den finanziellen Problemen des Trabrennsports. Und den Ideen, die man schon hatte, um diesen etwas entgegen zu wirken, wie einer Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, die Studenten in einem der Gebäude Klausuren schreiben lässt.

Schließlich dürfen die Reiseteilnehmer selbst kreativ werden. Sie sollen Fotos machen, aufschreiben, welche Geschichten sie mit der Trabrennbahn verbinden. Und, ganz wichtig, kreative Ideen entwickeln, wie man die Bahn in Zukunft weiter als Rennbahn nutzen könnte. Dazu gibt es von Lutz Fritsch extra Skizzenbücher. „Ich kann mir gut vorstellen, dass aus diesen Büchern später eine kleine Ausstellung wird“, sagt der Künstler.

Vom Reisezentrum in Dinslaken aus (Neustraße 54) geht es an den Wochenenden bis zum 16. August auf verschiedene Touren. Anmelden zu den kostenlosen Touren kann man sich entweder im Reisezentrum (täglich von 14 bis 18 Uhr), telefonisch (0209/60507301) oder per Mail an info@urbanekuensteruhr. de. Auf der Internetseite findet sich auch das Tourprogramm.