Theater als „Sozialexperiment“

Benedikt Thönes als der Neue in der Klasse.   
Benedikt Thönes als der Neue in der Klasse.  
Foto: LTB
Was wir bereits wissen
Die Burghofbühne baut ihr theaterpädagogisches Angebot aus. Montag feiert das interaktive Klassenzimmerstück „Die erste Stunde“ Premiere

Dinslaken..  Der Neue in der Klasse bringt es schell auf den Punkt. Er hat eine lange Leidensgeschichte als Mobbingopfer, „also lassen wir es uns hinter uns bringen“. Er fordert die Schülerinnen und Schüler auf, ihn zu beschimpfen, ihn an zugreifen. Wie weit werden sie gehen? Das Experiment ist Teil des neuen Konzeptes der Burghofbühne speziell für Schulklassen der Jahrgangsstufen 7 bis 10, in dem interaktives Schauspiel und Theaterpädagogik gleichberechtigt und gleichgewichtig nebeneinander stehen. Am Montag, 9. Februar, hat Jörg Menke-Peitzmeyers Klassenzimmerstück „Erste Stunde“ in der Regie der Burghofbühnendramaturgin Nadja Blank Premiere in der Sekundarschule, Am Stadtbad 45. Minuten stellt sich Benedikt Thönes in seiner Rolle der Klasse, legt deren sozialen Strukturen offen. Im zweiten Teil der Doppelstunde spricht die Theaterpädagogin und Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters der Burghofbühne Anna Scherer mit den Schülerinnen und Schülern über deren Reaktionen und Empfindungen.

Dass die Burghofbühne in Schulräumen Theater macht, ist nichts Neues. Aber anders als beispielsweise „Around the world in 80 days“ handelt es sich beim Klassenzimmerstück um eine eigene Gattung. Es wird in Echtzeit am Originalschauplatz aufgeführt, es gibt keine Bühne, Tafel, Pult und Tische werden zu Requisiten. „Das trojanische Pferdchen“ von Stefan Ey war ein Beispiel für diese Art des Theaters im realen Kontext, für das inzwischen eigene Theaterpreise ausgelobt werden.

In der Rolle bleiben

„Ein Sozialexperiment“ nennt Mirko Schombert die „Erste Stunde“, die von den Schülerinnen und Schüler interaktives Handeln inklusive möglicher Grenzüberschreitungen im geschützten Raum des Klassenzimmers bedeutet und vom Schauspieler abverlangt, egal was passiert, in der vorgegeben Rolle zu bleiben. Hinter dem abschließenden Aufbereiten des Erlebten steht die mit Beginn seiner Intendanz angestrebte Aufwertung der Theaterpädagogik.

Angelegt auf eine Doppelstunde ist das Klassenzimmerstück einschließlich der theaterpädagogischen Aufarbeitung ein ergänzendes Angebot der Burghofbühne außerhalb des Spielplans. Dessen Produktionen aus dem Bereich des Kinder- und Jugendtheaters, deren Aufführung im Klassenraum realisierbar sind, wird es selbstverständlich auch weiterhin geben.

„Die erste Stunde“ richtet sich an Kinder ab 13 Jahren. Sie kann von Schulen im Kreis Wesel bei der Burghofbühne nach Absprache gebucht werden. Die Lehrerinnen und Lehrer wohnen der Veranstaltung bei, werden aber gebeten, nicht einzugreifen. „Erste Stunde“ wird nicht zum Festpreis pro Klasse angeboten, sondern für fünf Euro pro Schülerin und Schüler.