Täter nur eingeschränkt schuldfähig

Dinslaken/Duisburg..  Die Anklage sah zunächst nach einem normalen Raubüberfall aus: Ein Mann hatte am 9. Oktober 2013 in einen Imbiss an der Max-Eyth-Straße den Betreiber mit einem Messer bedroht und Geld gefordert. Dass der 44-jährige Täter am Gründonnerstag vor dem Landgericht Duisburg für die räuberische Erpressung mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe davon kam, lag allerdings daran, dass der Fall bei genauer Betrachtung überhaupt nichts Gewöhnliches an sich hatte: Täter und Geschädigter waren miteinander verwandt, die „Tatwaffe“ war ein Brötchenmesser und die Beute betrug zehn Euro und ein Brötchen.

Gegen acht Uhr morgens war der Angeklagte in die Grillstube seines Groß-Cousins marschiert. Dann griff er nach einem Brötchenkorb, nahm ein Messer heraus und fuchtelte ungezielt damit herum. „Ich wusste, dass er seit einem Unfall psychische Probleme hatte“, berichtete der Zeuge. Deshalb sei ihm ein wenig mulmig geworden, als der Angeklagte hinter die Theke kam und Essen und Geld forderte, allerdings nicht unbedingt wegen des stumpfen Messers.

Nachdem der Imbissbetreiber dem 44-Jährigen ein Brötchen und einen Zehn-Euro-Schein in die Hand gedrückt hatte, legte der Räuber das Messer brav weg und trollte sich. Allerdings ließ er im Hinausgehen noch mit Empörung in der Stimme den Satz fallen: „Verwandtschaft – und dann nur zehn Euro!“ Der Zeuge setzte sich zunächst mit der Mutter des Täters in Verbindung. Der war die Sache nicht geheuer und sie drängte ihn, auch die Polizei zu verständigen.

Seit 1989 plagen den 44-jährigen Angeklagten psychische Probleme. Am Tag vor der Tat war er aus einem Krankenhaus entlassen worden und hatte offenbar seine Medikamente nicht genommen. Niemals zuvor und auch nie wieder nach dem Vorfall war er durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen.

Das Gericht wollte den nicht vorbestraften Mann, der zur Tatzeit nur eingeschränkt schuldfähig war und sich inzwischen wieder in einer Therapie befindet, nicht hinter Gitter schicken und wertete die Sache als minderschweren Fall. Für eine Unterbringung des 44-Jährigen in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt reichte die Gefährlichkeit seiner Handlungsweise bei weitem nicht aus.