Strukturwandel ganz handfest

Martin Schrör an seinem Arbeitsplatz, dem Lohberger Gesundheitshaus in Lohberg.
Martin Schrör an seinem Arbeitsplatz, dem Lohberger Gesundheitshaus in Lohberg.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Serie „Wir sind Lohberg“: Der Bergbau ging, der Schrör blieb - und fühlt sich seit 30 Jahren in dem Dinslakener Stadtteil wohl.

Dinslaken..  Den Strukturwandel in Lohberg hält Martin Schrör in festen Händen. Und das nicht nur sprichwörtlich. Denn als es mit dem Bergbau bergab ging, machte sich der ehemalige Zechenangestellte als Masseur und Bademeister mit dem Lohberger Gesundheitshaus selbstständig.

Ende 1984, also vor ziemlich genau 30 Jahren, begann der in Trier ausgebildete „Masseur und medizinische Bademeister” als Angestellter in der Arbeitsmedizinischen Bäderabteilung der Zeche Lohberg. Dort massierte und kurierte er die Kumpel, die von der Maloche unter Tage Beschwerden und Blessuren davongetragen hatten. Als Schrör vom Aus der Zeche Lohberg erfuhr, entschied er, sich nicht versetzen zu lassen. „Wer weiß, wo ich dann hingekommen wäre, die Arbeitsmedizin wird meistens zuerst geschlossen, wenn ein Standort aufgegeben wird”, erzählt Schrör. Außerdem waren er und seine Familie - die Schrörs waren 1990 von Hiesfeld nach Lohberg gezogen - schon so in dem Stadtteil verankert, dass sie einfach nicht mehr weg wollten.

Die medizinische Abteilung wurde bereits im Jahr 2000, also früher als die Zeche, geschlossen und nach Prosper in Bottrop verlegt. Die RAG ermöglichte Schrör, den Übergang in die Selbstständigkeit vorzubereiten, Seminare und Lehrgänge zu belegen. Anfang 2002 eröffneten Martin und Gisela Schrör, die gelernte Krankenschwester ist und nach Kinderpausen in die Berufstätigkeit zurückkehren wollte, das Gesundheitshaus Lohberg, zunächst in den ehemaligen Räumen des arbeitsmedizinischen Dienstes an der Hünxer Straße. Eine Abfindung, die Schrör bekommen hatte, erleichterte den Einstieg. Massagen und Gymnastik gab es fortan nicht mehr vom Werksarzt verordnet, sondern vom Arzt verschrieben.

Das Geschäft ließ sich gut an, über mangelnden Zuspruch konnten sich die Schrörs nicht beklagen. Doch die Zeiten waren nicht immer einfach: Die 2006 von der Kassenärztlichen Vereinigung beschlossene Budgetierung von Heilmitteln führte zum Patientenrückgang, Schrör musste das Angebot anpassen und die Patienten gewöhnten sich zunehmend daran, Anwendungen teilweise aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen. Das Tief wurde überwunden, vor fünf Jahren zog man ins Ledigenheim um. „Wir fühlen uns seitdem hier sehr wohl. Die Atmosphäre ist toll und die Räume sind barrierefrei sogar mit dem Rollstuhl erreichbar“, schwärmt Schrör.

Den Fortschritt auf dem Zechengelände sieht er durchweg positiv: „Ist doch schön, wenn sich da etwas bewegt und keine ewige Brache bleibt.“ Und selbst beim Abriss des Fördergerüstes war er nicht wehmütig? „Nein, die Lebenszeit einer Schachtanlage ist doch eh begrenzt, endet spätestens, wenn die Kohle weg ist. Und die Zeche in Lohberg hat es immerhin hundert Jahre gegeben, das ist doch was.“