Stimmgewaltiger Sympath

Dinslaken..  In Eddie Arndts Jugendjahren war es hip, Schallplatten auf Kassette zu spielen, um die Tapes mit seinen Freunden zu teilen. Angesagt in Arndts Musikkosmos waren gerade the bags aus Boston. Einen Song hat Arndt seit 1989 nicht vergessen: Love sick Diane. Arndt hat das Album wiedergefunden und vierzig Euro bezahlt. „Ich hab irgendwie versucht, den Song auf die Akustik-Gitarre herunter zu brechen – es ist mir nicht gelungen.“ Doch, ist es dem Dortmunder Singer-Songwriter. Genauso, wie die Gäste des Sapphire mit seiner eigenwilligen Art zu unterhalten.

Über zehn Jahre sei es her, dass der gebürtiger Hammer in Dinslaken war. Noch älter als der letzte Besuch des stimmgewaltigen Sympaths waren die Songs, die Arndt am Freitagabend in der Bar am Altmarkt zum Besten hab. Etwa das 60er-Soulstück von Marion Black, „Who knows“, mit dem Arndt sein Programm eröffnete. „Ich habe ein Programm zusammengestellt, mit Songs, die i c h mag“, warnte Arndt und kramte Danzigs Metallsong „thirteen“ in der düsteren Version des amerikanischen Country-Helden Johnny Cash hervor.

Arndts raue, kratzige, kraftvolle Stimme zieht an. Und sie ist authentisch. Bruce Springsteens Down-bound train brachte Arndt so glaubwürdig rüber, dass man glaubte, der Song sei von ihm. „I feel like I’m a rider on the train“. Arndt war ein Reiter der Musikgeschichte, ließ aber auch eigene Lieder aus seinem Marshall-Verstärker erklingen. Etwa „so confused“, eine wilde Polka, fröhlich, ausgelassen. „Es ist entstanden, als ich einen sehr lieben Menschen auf einer Party kennenlernte. Es sollte ein lustiges Lied werden.“ Ob dieser liebe Mensch Arndts Frau Sarah-Jane Himmelsbach war, blieb Arndts Geheimnis. Himmelsbach begleitete Arndt nach Dinslaken und war einer der rund 30 Gäste. Himmelsbach ist aber nicht nur abseits der Bühne dabei, meistens stehen der Gitarrist und die Violinistin zusammen im Mittelpunkt, als Folk-Band Bardic, annähernd Tausendmal, auch schon als Vorband von Jethro Tull.

Wie kommt so ein Musiker dazu, bei freiem Eintritt im Sapphire zu spielen? Der Dinslakener Cesare Siglarski, Stammmusiker im Sapphire, stellt den Kontakt zu Kollegen im Ruhrgebiet her. „Ich habe Eddie vor ein paar Wochen im Grammatikoff gesehen und ihn einfach mal angeschrieben. Er hat sofort geantwortet: Klar, ich komme vorbei. Machen wir uns einen schönen Abend.“ So einfach kann es manchmal gehen.

Dreimal im Monat veranstaltet Sapphire-Besitzer Gianluca Demirci in Zusammenarbeit mit Siglarski musikalische Abende. Die seit November letzten Jahres laufenden Veranstaltungen sind gut besucht, lukrativ für die Bar am Altmarkt. Allerdings nicht lukrativ genug: Das Projekt des 23-jährigen Oberhauseners läuft nicht wirklich rund. Der gelernte Betriebswirt versucht, den Laden zu etablieren, hat aber mit der schwierigen Geschäftssituation am Altmarkt und dem Misstrauen der Bürger zu kämpfen. Laut eigener Aussage musste Demirci schon mehrfach Anfeindungen über sich ergehen lassen, die einen rassistischen Hintergrund haben. „Wir versuchen es noch ein halbes Jahr“, sagt der 23-Jährige, der sich noch nicht entmutigen lassen will. Der nächste Konzert-Abend findet am 23. Januar statt. Ab 20 Uhr tritt der Künstler Captain’s Diary auf.