Stadtplanung Dinslaken: Langer Atem und Visionen sind nötig

Die neue Grünanlage am Rutenwall bekommt gute Noten.
Die neue Grünanlage am Rutenwall bekommt gute Noten.
Foto: www.blossey.eu

Dinslaken..  Die Umgestaltung des Neutorplatzes kommt am Besten an. Das Ergebnis des NRZ-Bürgerbarometers zur Innenstadtentwicklung ist für Karl-Heinz Rudorf keine Überraschung. Rudorf hat als Stadtplaner die Entwicklung in den vergangenen 41 Jahren begleitet, beeinflusst. Am 30. Juni hatte er seinen letzten Arbeitstag und im NRZ-Gespräch sagte er, dass er die Ansicht der im Rahmen des Bürgerbarometers befragten Dinslakener teile.

Für ihn ist der Platz vor der Neutor-Galerie die entscheidende Stelle, der neue Platz strahle in allen Richtungen aus. Vorbei sind die Zeiten als Parkplatz, hier ist jetzt Platz für Veranstaltungen. Auch dass der Rutenwall am zweihäufigsten genannt wurde, kann Rudorf gut verstehen. Er könne sich noch gut an den Garagenhof erinnern, der nun einer Grünanlage mit Spielplatz gewichen sei. Dass man diese Veränderung geschafft habe, darauf könne man schon stolz sein, meint Rudorf. Nicht ganz teilt er die Meinung der Befragten beim Stadtpark. Für ihn gehöre er auf eine Stufe mit dem Rutenwall und er ist sich sicher, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, würde der Anteil derjenigen, die sagen, die Umgestaltung des Stadtparks sei gelungen, sicherlich so hoch sein wie beim Rutenwall.

Ein Zufall hatte den heute 65-Jährigen zur Stadtplanung gebracht. Angefangen hatte er ein Studium der Vermessungstechnik, wechselte dann zum neu eingerichteten Studiengang Stadtplanung, den es heute nicht mehr gibt.

Bei der Stadtentwicklung gebe es immer Wellen, so ging es früher schon darum, die Innenstädte zu erhalten, zu entwickeln. Heute steht dieser Ansatz wieder auf der Agenda: Es geht darum, die Innenstädte attraktiver zu machen. Es sei auch spannend, Stadtplaner zu sein, weil man nicht auf der grünen Wiese baut, es gehe darum, Funktionen einer Stadt zu erhalten. „Ich muss beides machen, das Bewährte erhalten und neue Qualitäten schaffen.“

Mit der Altstadt fing es an

Das Projekt, mit dem er damals, als er in Dinslaken anfing, zu tun hatte, beschäftigte ihn auch am Ende seiner Tätigkeit: die Altstadt. Viele Gebäude waren abgerissen worden, alte Bausubstanz wurde nicht erhalten. Dagegen regte sich Widerstand. „Die Bürger sagten, so gehe es nicht weiter“, blickt Rudorf zurück. Und so wurde der erste städtebauliche Wettbewerb durchgeführt. Und der Altmarkt wurde bebaut.

Die Kirche war dagegen, doch anhand alter Pläne konnte nachgewiesen werden, dass gegenüber der Kirche schon früher Häuser gestanden haben. „Alte Strukturen zu sichern, zu erhalten“, auch das sei, so Rudorf, eine Aufgabe des Stadtplaners. Und die Altstadt steht erneut im Fokus, es muss verhindert werden, dass durch die Neutor Galerie die Altstadt verliert. Deswegen erfolgte die Umgestaltung des Rutenwalls.

In Dinslaken wurde viel und intensiv mit den Bürgern gesprochen, so Karl-Heinz Rudorf. „Wir machen es ja nicht, um den Bürgern vor den Kopf zu stoßen“, betont er und fügt hinzu, dass ein Stadtplaner auch Visionen haben muss. Um sie umsetzen zu können, braucht er aber Mehrheiten, in Politik und bei den Bürgern. Dinslaken sei immer überschaubar gewesen. Und ein Vorteil der Fußgängerzone sei immer gewesen, dass sie keine reine Händlerzone gewesen ist. Ab dem ersten Obergeschoss gibt es in den Gebäuden Wohnungen. Da war immer Leben, umschreibt es Rudorf, der sich noch an weitere Projekte erinnert: Fortführung der A59, Erstellung der Otto-Brenner-Straße, Tempo-40, die Veränderungen auf dem Zechengelände. Und er weiß, als Stadtplaner benötigt man einen langen Atem.