St. Vincentius öffnet das Facebook

Dinslaken..  Da behaupte einmal jemand, die Kirche sei rückwärtsgewandt: „Omnes Ecclesiae filii communi animo consilioque conentur ut instrumenta communicationis socialis ... usurpentur“. Diese lateinische Anweisung stammt aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Von 1963 also. „Alle Glieder der Kirche sollen einmütig und planmäßig darangehen, ohne Aufschub und mit größtem Eifer die sozialen Kommunikationsmittel ... zu benutzen“ lautet der Auszug übersetzt, den eine Gruppe der Gemeinde St. Vincentius nun, ein halbes Jahrhundert später, wörtlich genommen und ganz modern umgesetzt hat: Die Großgemeinde hat nun eine eigene Facebook-Präsenz. Titel: „Din Church“.

Pastoralreferent Franz-Joseph Roth (47), Fabian Schneider (27) und Kaplan Bernd Holtkamp (32) betreuen die Seite – und beziehen sich explizit auf das 2. Vatikanische Konzil. Auch, wenn „damals wohl eher das Fernsehen gemeint war“, schmunzelt Franz-Joseph Roth, haben sie für sich aus dem Leitsatz die Lehre gezogen: „Wir müssen raus, zu den Menschen.“

159 Freunde

159 Freunde hat die Facebook-Seite bereits gewonnen. Angesichts von rund 23 000 Gemeindemitgliedern scheint das übersichtlich. Allerdings, so Fabian Schneider, wurde die Seite auch nicht beworben – weder innerhalb der Gemeinde und schon gar nicht mit finanziellen Mitteln via Facebook. Ein Link führt von der Homepage der katholischen Gemeinde zu deren Facebook-Plattform, manche Beiträge hat Schneider in den diversen „Dinslaken-Gruppen“ auf Facebook geteilt. Mehr nicht. Dem Team geht es nicht darum, schnell viele Klickzahlen zu erreichen – sondern darum, neben der aktiven Gemeinde auch die Menschen anzusprechen, die eben nicht jeden Sonntag im Gottesdienst anzutreffen sind und die auch nicht eigenständig die Homepage der Gemeinde ansteuern.

Zwischen 35 und 55 Jahre alt sind die meisten Freunde der Seite – die, wie auf Facebook üblich, mit „Du“ angesprochen werden. Auch der Name, der vereinzelt kritisiert wurde, soll den modernen Anspruch des Angebots unterstreichen - zumal „katholische Kirchengemeinde St. Vincentius Dinslaken“ einfach zu lang gewesen wäre, so Fabian Schneider.

Eine Mischung aus Fotos - in der Weihnachtszeit etwa Krippenbilder –, Aktuellem aus dem Gemeindeleben, Infos und Hintergrund postet das Facebook-Team der Gemeinde. „Renner“ unter den Usern waren Bilder des Nikolausbesuchs des Pastoralreferenten in der Kita Marienheim, der Auszug aus dem Konzilsdokument „Nostra Aetate“ über das Verhältnis der katholischen Kirche zu anderen Religionen und der Text „Sitzen, stehen, knien“, zum Gottesdienstablauf und natürlich der Themenkomplex Mahnwache Neutorplatz.

Und Kaplan Bernd Holtkamp, der „zunächst skeptisch“ gewesen war, als ihm seine Messdienergruppe vor zwei Jahren Facebook als Kommunikationsmittel empfohlen und eingerichtet hat, überlegt nun gemeinsam mit seinem Team, auch weitere soziale Medien zu nutzen: Whatsapp oder Twitter. Steht schließlich so im 2. Vatikanischen Konzil. Oder so ähnlich.