„Sprache verbindet“ jetzt auch in Voerde

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Voerde..  „Sprache verbindet“ – und genauso ist es auch gemeint. Das Projekt, das seit 2010 in Dinslaken existiert, soll es nun auch in Voerde geben. Engagierte Schüler helfen Kindern aus Asylbewerber- und Migratenfamilien, ihr Sprachvermögen zu verbessern. Dabei ist der Umgang mit den Patenkindern besonders wichtig. Statt trockene Vokabeln zu pauken, wird vorgelesen und gespielt, um Vertrauen untereinander aufzubauen – die fremde Sprache wird ganz nebenbei gelernt.

„Wir haben derzeit 15 Kinder mit ausländischen Wurzeln, die gerne Deutsch lernen möchten, um sich hier zu Hause zu fühlen und in der Schule oder der Kita Anschluss zu finden“, so Iris Rutert, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt. Sie ist gleichzeitig Vorsitzende der Einrichtung „Netzwerk Bildung“, die sich um Bildung für benachteiligte Bürger bemüht, und leitet das Sprachenprojekt in Voerde. Jedes Kind wird von einem Jugend-Scout aus der gymnasialen Oberstufe betreut und zwar in den eigenen vier Wänden. „Im Rahmen der Familie können die Kinder leichter lernen und es bleibt bestimmt noch Zeit, den Eltern zu helfen, zum Beispiel beim Schreiben eines Einkaufszettels. Viele von ihnen können die deutsche Sprache ja ebenfalls nicht.“

Für ihre Arbeit erhalten die Scouts pro Stunde einen Betrag von acht Euro. Dafür müssen die Familien nicht komplett selbst aufkommen, sondern werden vom „Lions Club“ unterstützt, der in Voerde die Rolle des Sponsors übernimmt.

Bei einem ersten Treffen des Organisationsteams meldeten sich etwa 45 Schüler freiwillig, um regelmäßig in eine der Familien zu gehen und Nachhilfe zu erteilen. Johannes Lingnau, Lehrer am Gymnasium Voerde (GV), freut sich über das Engagement. Gemeinsam mit seinen Kollegen Christian Egging und Christine Mootz hat er schließlich eine Auswahl getroffen. „Es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Kindern mit Lernbedarf“, so der Politiklehrer. „Aber wir stellen unseren Schülern auch Ersatzprojekte vor. Wer helfen möchte, bekommt die Möglichkeit.“

Nun suchen die Scouts nach einem neuen Namen für das Projekt. „Sprache verbindet“ ist geschützt, so dass sich Schulleiter Gerd Kube vorübergehend für den Arbeitstitel „Verstehen verbindet Voerde“ entschieden hat. Ob es dabei bleiben wird, ist noch unklar.

Um die Scouts auf ihre Aufgabe vorzubereiten, findet am Samstag, 18. April, eine Fortbildung am GV statt. In mehreren Workshops lernen die Schüler spielerische Lernmethoden kennen und dürfen Fragen stellen. Am 28. April treffen sie dann zum ersten Mal auf ihre Patenfamilien, um sich bei einem Grillnachmittag im großen Kreis kennenzulernen.

„Das ist eine tolle Möglichkeit, den Familien ungezwungen zu begegnen“, erzählt Meret König, Schülerin der 10. Klasse und Jugend-Scout. „Ich finde, dass die Flüchtlingsfamilien bei uns noch viel zu isoliert leben. Wir möchten ihnen auch helfen, sich einzuleben.“

Ein besonderer Dank, so die Organisatoren, gelte dem „Lions Club Voerde“, der das Projekt finanziell unterstützt, sowie der Katholischen Arbeiter Bewegung (KAB), die für die Zukunft ihre Hilfe zusicherte.